64 Ueber den Spiritus asper und lenis, und ber die Flsterstimme etc.


Spiegel und seine Verwerthung, 2. Aufl., Leipzig 1863, S. 40) 1 in
Fllen, wo die Operation der Laryngotomie ausgefhrt worden war,
vermittelst eines kleinen, durch die gefensterte Athmungseaniile ein-
gefhrten Spiegelchens die Stimmritze und ihre Bewegungen von n n -
ten her genau zu beobachten.
	Unter diesen Umstnden kann der Patient alle Sprachlaute un-
gehindert articuliren, whrend der Beobachter die Stimmritze unun-
terbrochen im Auge behlt. Um zu verhindern, dass die Luft durch
die Athmungscanle entweiche, und am den Patienten in Stand zu
setzen die intendirten Laute auch ganz vernehmlich auszusprechen,
msste die ussere Oeffnung der Athmungseanle, nach Einbringung
des Spiegelehens, vermittelst einer erwrmten, das Sehen nicht be-
hindernden Glasplatte verschlossen werden: am einfachsten wre es
das kleine Spiegelehen unter einem Winkel von etwa 450 an das eine
Ende eines Rhrchens zu befestigen, welches am anderen Ende mit
einer Glasplatte verschlossen wre und in die Athmnngseanle oder
den Wnndeanal eingeschoben werden knnte.
	Diese Andeutungen mgen gengen. Ueber die Ausfhrbarkeit
meines Planes kann kein Zweifel sein - es handelt sieh nur darum,
ein geeignetes Individuum zu finden, hei welchem die laryngotomische
Wundffnung noch nicht verheilt, dessen Stimmorgan aber bereits in
normalem Zustande wre.
	Dann knnte man das Verhalten der Stimmritze nicht nur bei den
Ten ties und jlediae, sondern berhaupt hei allen Articulationsvor-
gngen direct feststellen.
	Der Gegenstand ist fr die Physiologie der Sprachlaute von sol-
chem Interesse, dass ich keinen Anstand genommen habe, meine
Ideen ber denselben hier zu verffentlichen, und ich fge die drin-
gende Aufforderung an alle Fachgenossen hinzu, die sieh etwa dar-
bietende Gelegenheit zu den angedeuteten Beobachtungen ja nicht un-
bentzt vorbergehen zu lassen.
	An grossen Krankenanstalten drfte sieh bald und leicht ein ge-
eignetes Individuum finden, whrend mir, in meiner gegenwrtigen
Stellung, nur ein kaum wahrscheinlicher Zufall ein solches zufhren
knnte!


III.
	Beim Flstern wird der Ton der Stimme bekanntlich durch Rei-
hungsgerusche ersetzt. welche, wie ich zuerst im Jahre 1558 (Wiener
Sitznngsber. S. 576 nachwies. vllig identisch sind mit jenen
Nr. XLII.
