Ueber den Spiritus asper und lenis, und ber die Flsterstimme etc. 765

der verschiedenen h-Laute und auf genau dieselbe Weise erzeugt
werden':. Wenn daher HELMHOLTZ sagt a. a. 0. S. 171, Anmer-
kung): Es ist der hinterste Theil der Stimmritze zwischen den Giess-
beckeuknorpeln, welcher beim Flstern als dreieckige Oeffnung offen
bleibt und die Luft passiren lsst, whrend die Stimmbnder
an einander gelegt werden's, so ist dies nicht ausschliesslich
richtig und ist dahin zu berichtigen, dass sich HELMHOLTZ'S Angaben
eben nur auf einen einzigen der vielen mglichen und wirklich vor-
kommenden Flle beim Flstern bezieht.
	Meine Beobachtungen mit dem Kehlkopfspiegel zeigten nmlich
unzweifelhaft, dass die Stimmritze beim Flstern ausser der von
HELMHOLTZ angegebenen Form, factisch j e d e der frher besproche-
nen Formen und Durchmesser (. oben I, Nr. 2-7) annehmen kann,
welche bei entsprechender Modification des Exspirationsdruckes Ver-
anlassung zur Entstehung der verschiedenen R ei b ii n g s g er  use h e
des Kehlkopfes, d. i. der h-Laute geben, denn auch beim Flstern
knnen wir leiser oder vernehmlicher sprechen.


Iv.
	Nachdem BRCKE in dem XII. Abschnitt seiner Grundzge der
Phys. und System. der Sprachlaute Wien 1856, in welchem ei' die
Grundstze der phonetischen Transseription auseinandersetzt, die
Vocale und Consonanten besprochen hat, kommt er 5. 127 zu denjeni-
gen Sprachlauten, welche er im System von beiden ausgeschlossen
hat, nmlich zu den Kehlkopflauten, gutlurales verae.
	Diesen Sprachlauten, sagt BRCKE, entsprachen Zeichen, die
sich nur auf den Zustand des Kehlkopfes bezogen und nichts Bestimm-
tes ber die Stellung der Mundtheile aussagten. Die einzige Bezeich-
nung dieser Art, die wir bis jetzt eingefhrt haben, war ein horizon-
taler Strich unter der Linie, der die weit offene Stiinmritze, und mithin
die Stimmlosigkeit der auf der Linie stehenden Consonanten bedeutet.

	I Folgende interessante Erfahrung, welche ich seither gemacht habe, kann
ich nicht umhin hier zu erwhnen.
	Einem Franzosen, dem, wie allen seinen Landsleuten das Hervorbringen un-
seres h nicht gelingen wollte, gab ich den Rath - da er ja doch eben so gut 
mit
Flsterstimme sprechen knne, wie wir Anderen - beim vocalischen Anlaut, dem
ein Spiritus asper vorhergeht, so zu beginnen, wie wenn er mit Fluster-
stimme sprechen wollte, und dann erst denvollen Vocaltonfolgen zulassen.
Gleich beim ersten Versuch gelang ihm nun nach dieser Anleitung das Sprach-
kunststck vollkommen und berrascht rief er, wie Mr. JOURDAIN im "Bourgeois
gentilhoinme aus: Foil 40 ans, queje sais prononcer l'h, sans le savoir/
