LVII.

Ein Experiment ber die Beziehungen des Gaswechsels
in den Lungen zum Athmungsbedrfniss beim
Menschen.



[Gentraihl aft f. d. med. Wissenschaft /866.]




	ROSENTHAL hat bekanntlich gezeigt, dass man bei Thieren, deren
Pleurahhlen geffnet sind, durch Einleitung der knstlichen Respira-
tion, ganz nach Belieben, je nach der mehr oder weniger krftigen
Luftzufuhr, alle mglichen Abstufungen der Athembewegungen, von
der normalen bis zu der dyspnoetischen hervorrufen kann; dass es aber
auch gelingt durch energische Handhabung des Blasebalges das Ath-
mungsbedrfniss fr lngere Zeit so vollstndig aufzuheben, dass selbst
nach minutenlanger Unterbrechung der knstlichen Respiration smmt-
liche Athemmuskeln in Ruhe und Erschlaffung verharren.
	Diesen letzteren Zustand der Athmungsbedrfnisslosigkeit
hat ROSENTHAL mit der Ueberladung des Blutes mit 0 erklrt und sehr
passend Apnoe genannt.
	Dass sich durch verminderte Luftzufuhr. wie bei den Thieren, so
beim Menschen, der Reiz auf den in der Med. ob!. vorhandenen Me-
chanismus, unter dessen Imperium die Athembewegungen stehen, ver-
grssert und das Athmungsbedrfniss zur Dyspnoe steigert, ist eine
bekannte Thatsache; dass sich aber durch willkrlich vermehrten Gas-
austausch in den Lungen, wenn auch keine vollstndige Apnoe, ana-
loge Zustnde, auch beim Menschen, hervorrufen lassen, das zeigt der
folgende einfache Versuch.
	Wenn ich nmlich bei ruhiger leichter Respiration etwa 3-6
Athemzuge in 15 Sec. mache und dann die Athmung mit einer letzten
tieferen Inspiration unterbreche, so gelingt es mir den Athem etwa
30-35 Sec. anzuhalten, dann aber zwingt mich das gesteigerte Ath-
mungsbedrfniss die Athembewegungen wieder fortzusetzen.
