768 	Ein Experiment ber die Beziehungen des Gaswechsels etc.


	Mache ich hingegen 10-18 ausgiebige Athemzge in 15 Sec. und
unterbreche dann die Athmung mit einer gleich tiefen Inspiration wie
das erste Mal, so kann ich den Athem eine ganze bis anderthalb
Minuten anhalten, ehe ich mich durch denselben Grad von Athem-
noth gezwungen fhle wieder Athern zu schpfen.
	Ich habe den beschriebenen Versuch unzhlige Mal mit 
berzeu-
gendem Erfolg wiederholt und zweifle 
nicht, dass derselbe Jedem
gelingen wird, der ihn mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit anstellt.
	Die calmirende Wirkung des gesteigerten Gaswechsels in den
Lungen wchst jedoch nicht in geradem Verhltniss mit der Vergrs-
serung der Energie der Athembewegung und der Verlngerung der
verstrkten Respiration vor Anhalten des Athems, sondern findet
wahrscheinlich wegen des in Folge der Anstrengung der Athemmus-
keln und der Gefssaufregung gesteigerten 0-Verbrauchs: alsbald eine
Grenze, so dass es durch willkrlich verstrkte Athmung wohl nie-
mals zur vollstndigen Apnoe kommen kann.
	Nach den ROSENTHAL'SChen Ermittelungen ber die Umstnde,
durch welche die Athembewegungen angeregt werden, war der Erfolg
meines Versuches vorauszusehen, weil durch das verstrkte Athmen
nicht nur der 0-Gehalt des Blutes sondern auch der Luft, welche nach
der letzten Respiration in den Lungen eingeschlossen wird, zunimmt;
berraschend bleibt es nur, dass sich schon ein so merklicher Unter-
schied in der Zeit, whrend welcher der Athem angehalten werden
kann, geltend macht - selbst wenn das willkrlich verstrkte Atlimen
nicht lnger als 1 5 Sec. und darunter gedauert hat.
Jena, den 20. Jan. 1S66.
