Notiz ber eine neue Folgeerscheinung nach Durchschneidung etc. 777


(wie das Nicken mit dem Kopfe in vertiealer oder in horizontaler
Richtung, der momentane wie durch eilen pltzlichen Stoss hervor-
gebrachte Verlust des Gleichgewichtes, das Stolpern und Fallen nach
hinten auf den Schwanz oder nach vorn auf die Brust, die Unfhigkeit,
ein aufzupickendes Krnchen sicher zu treffen, endlich die den soge-
nannten Zwangsbewegungen analogen Drehungen im Kreise nach
rechts und links, die progressiven Rollbewegungen [culbute en arrire
oder culbute en avant etc.1, habe ich zwar alle wiedergesehen -
aber, wie ich schon im Jahre 1860 im Gegensatze zu FLOURENS, wel-
cher die Erfolge unmittelbar nach der Operation viel zu gleichmssig
und constant darstellt, andeutete und jetzt noch ausdrcklicher betonen
muss - in sehr verschiedenem Grade der Entwicklung.
	Auf das Detail dieser paradoxen Erscheinungen nher einzu-
gehen will ich mir jedoch fr eine sptere Gelegenheit vorbehalten,
hier beabsichtige ich nur mitzutheilen, dass ich, als eine bisher wie es
scheint, noch nicht beobachtete Wirkung der Durchschneidung der
Semicircularcanle, im Laufe der ersten halben Stunde nach der Ope-
ration heftiges und meist wiederholtes Erbrechen eintreten sah,
durch welches die Contenta des Kropfes gewhnlich mit ganz ausser-
ordentlicher Vehemenz hervorgeschleudert wurden, whrend das
Thier, mit dem weitgeffneten Schnabel auf den Boden hockend, am
ganzen Krper convulsivisch erbebte.
	Dieses Erbrechen, welches ich in fnf von den neun Fllen be-
obachtet habe, muss, wie ich glaube, als eine eben so directe Folge
der Verletzung der Semicircularcanle betrachtet werden, wie die St-
rungen in der locomotorischen Sphre selbst, und ist durchaus nicht
etwa als ein blosses Nebensymptom oder eine Folgeerscheinung des
Schwindels anzusehen, von welchem die Thiere whrend des Be-
wegungsparoxysmus ergriffen zu sein scheinen.
	Dies geht schon daraus hervor, dass gerade die Mehrzahl unter
jenen 5 Tauben, welche sich erbrochen hatten, weder unmittelbar nach
der Operation noch berhaupt vor dem Eintritt der Voinituritionen
mehr als leise Spuren von Motilittsstrungen und Schwindel gehabt
hatten, whrend unter den 4 Tauben, welche sich nicht erbrochen
hatten, mehrere gleich nach der Operation von augenscheinlichen
Schwindelanfllen und heftigeren Bewegungsparoxysmen ergriffen ge-
wesen waren.
	Damit stimmt auch berein, dass nur bei einer einzigen von
den 5 Tauben an dein der Operation folgenden Tage nach lebhafteren
Bewegungen, zu welchen sie veranlasst worden war, neuerdings Er-
brechen eintrat: bei allen brigen Tauben aber, mochten sie nun zu
