﻿784
Ueber mechanische Reizung des Nervus vagus beim Menschen.
Berücksichtigt man nun noch den Ort, w o, und die Art, w i e der Druck am Halse ausgeübt werden muss, um die angegebenen Pulsveränderungen hervorzurufen, so wird man die feste Ueberzeugung gewinnen, dass es sich in meinem Druckversuche um eine künstliche, mechanische und locale Reizung des N. vagus handelt und dass mit diesem Versuch der Beweis für die factische Möglichkeit einer solchen unter gewissen, allerdings nicht ganz nor-malenVerhältnissen geliefert ist.
Es hat zwar Eckhard geglaubt, sich gegen die Beweiskraft meines Druckversuchs aussprechen zu müssen, indem er sagt Experimentalphysiologie des Nervensystems. Giessen 1867. 2. Autl. S. 195):
»Auch am lebenden Menschen ist nach Czermak durch Druck auf den Vagus am Halse Verlangsamung des Herzschlages zu erreichen, doch ist der Versuch wegen der dabei ohne Zweifel stattfindenden Veränderungen des Blutlaufes in den Gefiissen, namentlich in den Venen zum Herzen hin und des möglicherweise hierdurch geänderten Herzschlages, nicht überzeugend genug.«
Allein zur Beseitigung der EcKHARD’schen Bedenken dürften wohl die folgenden Bemerkungen hinreichen.
Zunächst handelt es sich in meinem Druckversuche nicht blos um eine beliebige »Verlangsamung des Herzschlages«, sondern um den ganzen Complex der unverkennbaren, charakteristischen Wirkungen der Vagusreizung, und es ist gar keine Thatsache bekannt, welche uns berechtigen würde anzunehmen, dass beschränkte Hemmungen des Kreislaufs in den Gefässen einer Halseshälfte überhaupt im Stande sind, die Herzschläge in genau derselben Weise wie in meinem Versuche zu verändern. Sodann gelingt mein Versuch schon bei einem so massigen und auf die gewisse Stelle am Plaise so beschränkten Eingerspitzendruck, dass die Veränderungen des Blutlaufs, welche selbstverständlich niemals ganz ausbleiben können, unter diesen Umständen gewiss nicht erheblich genug sind, um irgendwelche sichtbaren Wirkungen hervorzubringen. Endlich tritt im Gegensätze hierzu trotz der bedeutendsten Circulations Störungen durch eine wie immer angebrachte (.'(impression der Gefässe an den verschiedensten Stellen des Halses keine Spur der gewöhnlichen Pulsveränderungen auf, wenn nicht auch j e n e A n s c h w e 11 u n g m i t g e d r ü c k t w i r d, welche auf der rechten Seite meines Halses zu fühlen ist, wo die Carotis unter dem oberen Rande des M. sternocleidomastoideus hervortritt und in deren unmittelbarer Nähe der V. vagus liegen muss.
Wären Veränderungen des Blutlaufes in den arteriellen oder venösen Gefässen der wirkliche Grund der in meinem Versuche zu beobachtenden Vagusreizung, so müssten sich diese Wirkungen einerseits a u c h durch