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Ueber Schopenhauer's Theorie der Farbe.
Hiermit glaube ich den brauchbaren und originellen Kern aus der Schopenhauer eigenthümlichen Farbentheorie herausgeschält und gewürdigt zu haben — einer eminent physiologischen Farbentheorie , die unverkennbar mit unseren heutigen, in ihrem Detail und ihrer Exactheit allerdings ungleich höher entwickelten Anschau-
Verhältniss dreier verschieden langer Linien (fön denen zwei auch gleich lang sein können; erregt oder unthätig, und dies kann offenbar so aufgefasst werden, als wären alle drei Fasergattungen im Maasse der kleinsten Linie gleich stark, entweder erregt oder unthätig (qualitativ ungetheilter Lest; , während eine oder zwei der Fasergattungen einen noch grösseren — und zwar grösser in jenem Maasse, um welches die zwei letzten Linien länger sind, als die erste kleinste), — Grad oder Uebersclmss an Erregung oder Unthätigkeit (rein qualitativer An-tlieil der Hälften) besässen.
Der qualitativ ungetheilte Rest liegt dann nothwendig entweder ganz in der unerregt, als Complement zurückbleibenden, oder ganz in der als Farbe hervortretenden Hälfte der vollen Thätigkeit der Retina, oder endlich zum Th eil in der einen zum Theil in der anderen, also an beide Hälften in verschiedener Menge vertheilt.
1.	Im ersten Falle ist er ganz unerregt und summirt sich als unwesentliche Dunkelheit oder Schwarz des Complements zu der wesentlichen Dunkelheit desselben, und diese Summe mischt sich in die bewirkte Empfindung.
Dies tritt ein, wenn eine oder zwei der Fasergattungen erregt sind — aber ni cht im Maximum, die anderen aber überhaupt gar nicht.
2.	Im zweiten Falle ist der ungetheilte Rest ganz activ und mischt sich als reines Weiss in die bewirkte Farbenempfindung. Dies erfolgt, wenn von den sämmtlichen gleichzeitig und verschieden stark erregten drei Fasergattungen eine oder zwei derselben im Maximum der Erregung sich befinden. Die Dunkelheit des bewirkten ungesättigten, weisslichen Farbentons entspricht dann nur dem wesentlich unerregt gebliebenen Antheil der einen oder der zwei nur tlieil-weise erregten Fasergattungen des Complements.
3.	Im dritten Falle endlich ist der ungetheilte Rest intensiv getheilt und mischt sich als mehr oder weniger weissliches Grau in die Empfindung, — was dann geschehen muss, wenn alle drei Fasergattungen gleichzeitig und ungleich stark erregt sind, aber keine derselben das Erregungs-Maximum erreicht.
Für die unmittelbare Empfindung erscheinen Sättigung und Helligkeit in der That als Mischungen eines bestimmten Farbentons mit verschiedenen Mengen von Weiss und Schwarz (weil Dunkelheit oder Schwarz eben eine positive Empfindungsqualität ist, vergleiche Anmerkung 2, Seite S13) wdihrend für die heutige mathematisch-mechanische Behandlung der Farbenempfindungen natürlich Sättigung und Farbenton nur auf die Intensität der Empfindung oder die Erregungsquantitäten der drei Fasergattungen zurückzuführen sind, wobei man sich zu erinnern hat, dass die Stärke der Lichtempfindung nicht allein von der lebendigenKraft der Aetherschwingungen abhängt, sondern auch von der Schwingungsdauer derselben, und dass die Empfindungsstärke fiir verschiedenartiges Lieht eine verschiedene Function der Lichtstärke ist. (Helmholtz, Phys. Optik, S. 317.;