﻿Ueber Schopenhauers Theorie der Farbe.
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ungen, hinsichtlich gewisser Hauptzüge nnd deren allgemeinster Formulirung, in wahrhaft wunderbarer Weise übereinstimmt, was um so staunenswertlier und unerwarteter erscheinen muss, als ihr Autor niemals aus der unzurechnungsfähigen, absoluten Opposition gegen den Newtonismus und gegen die exacte naturwissenschaftliche Methode überhaupt herausgekommen war, und nur ein höchst dürftiges und beschränktes empirisches Material — die Nachbilder — noch dazu ganz einseitig bearbeitet hatte. Und wenn auch Young’s wirklich epochemachende Hypothese, welche die moderne Farbenlehre aus-schliesslich begründet hat, schon 14 Jahre vor dem Erscheinen der Schopenhauer sehen Theorie gedruckt zu lesen war, so bleibt es doch Schopenhauer’s Verdienst, in der Farbenlehre einen ganz neuen und an sich richtigen Weg eingeschlagen, und durch seine physiologische Theorie die allgemeinste und wesentlichste Grundlage jeder wahren Farbenlehre aufgefunden zu haben — und desshalb muss Schopenhauer’s Theorie, obschon sie erst nach der YouNG’schen erschien, und niemals eine Bedeutung und Wirksamkeit erlangte, mindestens als eine so Zusagen philosophische Anticipation unserer heutigen Anschauungen betrachtet werden. Ich setze noch eine diesbezügliche Stelle her, in welcher sich Schopenhauer klar hierüber ausspricht (S. 66 : »Wir haben bisher die Farben in ihrer engsten Bedeutung betrachtet, nämlich als Zustände, Affectionen des Auges. Diese Betrachtung ist der erste und wesentlichste Th eil der Farbenlehre, die Farbenlehre im engsten Sinne, welche, als solche allen ferneren Untersuchungen der Farbe zum Grunde liegen muss, und mit der sie stets in Uebereinstimmung bleiben müssen. An diesen ersten Theil hat sich als der zweite zu schliessen die Betrachtung der Ursachen, welche von aussen als Beize auf das Auge wirkend, nicht wie das reine Licht oder das Weisse die ungetheilte Thätigkeit der lietina, in stärkerem oder schwächerem Grade, sondern immer nur eine qualitative Hälfte derselben hervorrufen.« —
Von dem Momente an, wo sich Schopenhauer der Aufsuchung der äusseren Ursache zuwendet, verfällt er, wie gesagt, ganz und gar der physikalisch völlig sinnlosen GoEi iiE'schen Lehre, gegen welche er jedoch die Herstellbarkeit des Weissen aus Farben 1 natürlich auf-
1 Diesem Gegenstände widmet Schopenhauer § 10 seiner Schrift. Daselbst liest man mit wahrem Vergnügen den treffenden Passus (S. 43—44) : »Die Herstellung des Weissen ans zwei Farben beruht, unserer Theorie zu Folge, einzig und allein auf physiologischem Grunde, nämlich darauf, dass es zwei Farben seien, in welche die Thätigkeit der Retina auseinandergetreten ist, also ein physiologisches Farbenpaar, in welchem Sinne allein und ausschliesslich sie Ergänzung«-
Czermak, Schriften.	52