	Ueber Schopenhauer's Theorie der Farbe.	813

	Hieraus erklrt sieh denn auch das sogenannte, von GOETHE so
aufdringlich urgirte ntapov der Farbe, d. h. ))ihre dem Schatten oder
dem Grau verwandte Natur, vermge welcher sie stets dunkler als
Weiss und heller als Schwarz ist, denn bei der qualitativ getheilten
Thtigkeit der Retina ist das Hervortreten der einen Hlfte wesentlich
bedingt durch die Unthtigkeit der anderen. Unthtigkeit der Retina
aber ist, wie oben gesagt, Finsterniss. Demnach muss das als
Farbe erscheinende Hervortreten der qualitativen Hlfte der Thtig-
keit der Retina durchaus von einem gewissen Grade von Fins t er -
ni s s, also von einiger Dunkelheit, begleitet sein 1). - Dies hat sie
nun gemein mit der in tens iv getheilten Thtigkeit der Retina, die
wir oben im Grau oder Halbschatten erkannt haben und diese Gemein-
schaft eben, Dieses, das dort qualitativ ist, was hier intentiv, wird
durch den obsoleten Ausdruck ))3XLzpOv(( bezeichnet.
	Jedoch waltet hiebei folgender sehr bedeutender Unterschied ob.
Dass die Thtigkeit der Retina der In ten sit  t nach, nur theilveise
ist, fhrt keine speeifisehe und wesentliche Vernderung herbei, und
bedingt keinen eigenthmlichen Effect; sondern es ist eben nur eine
zufllige, gradweise Verminderung der vollen Thtigkeit. Bei der
qualitativ theilweisen Thtigkeit der Retina hingegen, hat die her-
vortretende Thtigkeit der einen Hlfte die Unthtigkeit der anderen
zur wesentlichen und nothwendigen Bedingung, denn sie besteht nur
durch diesen Gegensatz (5. 37) 2). Endlich muss noch hervorgehoben
werden, was SCHOPENHAUER ber den ungetheilten Rest der Thtigkeit
der Retina lehrt (S. 42).

	Desshalb habe ich auch dieses leere Schema aus dem, der Darstellung des
wahren und eigentlichen Kerns der SdnoPENHAuER'schen Theorie gewidmeten
Haupttexte fortgelassen, und in diese Anmerkung verwiesen. Ebenso habe ich
oben den  6 der SduoPENHAuEn'schen Schrift unbercksichtigt gelassen,in 
welchem
er von der Polaritt der Retina und Polaritt berhaupt spricht, obschon 
die da-
selbst gegebenen Bemerkungen an sich beachtenswerth sind.
	Dies scheint auch BREWsTER eigentlich gemeint zu haben, als er sich dahin
aussprach, dass die complementre Farbe sich zugleich mit der gesehenen ent-
wickele (!) und diese trbe.
	2 Diese ganze Auffassung lsst sich als Ausdruck dessen, was fr die un-
mittelbare Empfindung da ist, vollkommen rechttertigen, und ist, wie ich
zeigen will, noch zu erweitern, und mit unserer YouNu-HELMH0LTz'sehen Hypo-
these durchaus nicht unvereinbar. So weit ich sehen kann, lsst sich gegen 
meine
hier folgende Auseinandersetzung nichts Erhebliches einwenden!
	Die Unthtigkeit der Sehsinnsubstanz, also eigentlich der Zustand, welcher
der Abwesenheit der specifisehen Erregung entspricht - aber desshalb
durchaus noch nicht reine Passivitt zu sein braucht - ist in der
That erfahrungsgemss mit einer positiven Empfindung von glei eh cm
