810 	Ueber Schopenhauer's Theorie der Farbe.


wird, und im Sensorium das Gefhl dieser Bewegung
unter der Form des Klanges; eben so sind die Farben der
Gegenstnde nur eine Disposition, diese oderjene Strah-
len hufiger als die brigen zurckzuwerfen; in den
Strahlen aber ist nichts als ihre Disposition, diese oder
jene Bewegung bis zum Sensorium fortzupflanzen, und
im Sensorium sind es Empfindungen dieser Bewegungen,
unter der Form von Farben.
	Sollte man es fr mglich halten, dass diese sonnenklare Offen-
barung des NEwton'schen Genius, welche G0E'niE (1. c. 457 eine
wunderliche theoretische Stelle zu nennen wagt, jemals missverstan-
den werden konnte?! Und wo findet sieh nach dieser Definition noch
eine Spur eines principiellen Hindernisses, die Vereinigung des New-
tonismus mit der physiologischen Farbentheorie von SCHOPENHAUER
zu bewerkstelligen?!
Doch es ist Zeit, nach allen diesen vorlufigen Bemerkungen,
endlich den wahren und wesentlichen Kern der SCH0PENHxCER'scheu
Farbentheorie darzulegen, und Schritt fr Schritt mit unserer 
moder-nen Farbenlehre 
zusammenzuhalten.
Ich habe schon erwhnt, dass SCHOPENHAUER von dem Satze I)
-tu, 	n
	"geht~ dass Helle, Finsterniss und Farbe-Zustnde, Modificatiouen
des Auges sind, welche unmittelbar bloss empfunden werden, und
dass er den durchaus originellen , und an sich vollkommen berechtig-
ten, nur in seiner Ausschliesslichkeit unzulnglich werdenden Weg
einschlgt sieh zunchst an diese Empfindung selbst zu wen-
den, um zu erforschen, ob nicht aus ihrer Beschaffenheit und Gesetz-
mssigkeit sich herausbringen liesse, worin sie an und fr sich, also
physiologisch, bestehe S. 22).
	Alle Sensibilitt ist ihm, nach der unbezweifelten Lehre der Phy-
siologie, nie reine Passivitt, sondern Reaction auf empfangenen Reiz,
und demgemss nennt er die, dem Auge berhaupt eigeuthmliche
Reaction auf den usseren Reiz, seine Thtigkeit, und zwar
nher, die Thtigkeit der Retina.
	Das die volle Einwirkung des Lichtes oder des Weissen cm-
fangende Auge ussert die volle 
Thtigkeit der Retina,
	die Retina ist in voller Thtigkeit; mit Abwesenheit jener beiden
	1 An dessen Richtigkeit schon zn seiner Zeit kein Einsichtiger mehr zweifelte
nnd der sich sogar schon in der oben citirtcn Definition NEWTONS angedentet
findet.
