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Ueber Schopenhauer’s Theorie der Farbe.
einigen Dilettanten und Malern — ganz allein die »Fahne der Goethe-sehen Farbenlehre, im fruchtlosen Widersprach mit der gesäumten gelehrten Welt« unerschütterlich hoch emporhielt, sondern auch den Furor Antincwtonicus, wie ich das schon bei seinem Meister aufgetretene wunderliche psychologische Phänomen der absoluten »Verstockung« gegen exacte Lichtphysik nennen möchte, — in der krassesten Weise in seinen Schriften walten liess.
In Folge dessen also galt und gilt Schopenhauer einerseits als ein einfacher und unbedingter Nachbeter und Anhänger der GoETHE’schen Farbenlehre, während er andererseits die unglaublichste Unwissenheit im Gebiete der Physik des Lichtes, auf die roheste Weise an den Tag legt, und in dieser Beziehung als vollkommen unzurechnungsfähig— als anachronitisches Curiosum, erscheint; — und desshalb ist sein Büchlein von fachmännischer Seite ganz einfach gar nicht durchgelesen worden!
Auch kann es in der That keinem kundigen Leser zum Vorwurf gemacht werden, wenn er stutzig wird, und in einem Buche, welches von Farbentheorie handelt, höchstens zu blättern anfängt, sobald ihm der Autor gleich auf der zweiten Seite der Vorrede ') zwar die Versicherung giebt, er habe »40 Jahre Zeit gehabt seine Farbentheorie auf alle Weise und bei mannigfaltigsten Anlässen zu prüfen«, aber sofort hinzusetzt : »jedoch ist meine Ueberzeugung von der vollkommenen Wahrheit derselben keinen Augenblick wankend geworden, und auch die Richtigkeit der GoEniE’schen Farbenlehre istmirnoc h ebenso einleuchtend als vor 41 Jahren, da er selbst mir seine Experimente vor zeigte.«
In der That ein solches Bekenntniss provocirt ein so gegründetes Misstrauen jedes kundigen Lesers gegen den Autor, dass es Niemand sonderbar finden darf, wenn eines solchen Autors Buch über Farbentheorie im besten Falle nur flüchtig durchgeblättert wird! — selbst wenn der Autor Schopenhauer ist, oder vielleicht gerade desshalb, weil Schopenhauer eben für Goethe’s unmittelbaren und treuesten Schüler gilt, obschon Goethe selbst es freilich besser wusste, indem er i h m die unmuthigen Epigramme widmete :
»Trüge gern noch länger des Lehrer s Bürden«,
»Wenn Schüler nur nicht gleich Lehrer würden;«
und
»Dein Gutgedachtes in fremden Adern«,
»Wird sogleich mit dir selber hadern«.
1 Zur zweiten Auflage 1854 !,.