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Ueber Schopenhauer’s Theorie der Farbe.
so höchst complicirten Experimente, mit Inbegriff der sogenannten Liehtpolarisation und Interferenz, vomähme und den wahren Zusammenhang aller dieser Erscheinungen herauszufinden suchte.« Eine Stelle, wie diese, genügt doch wohl ?! ! —
Solche Stellen bodenlosesten physikalischen Unsinns sind aber, wie gesagt, überaus häufig in Schopenhauer’s Schrift; — der leidige Zufall hatte also offenbar ein sehr leichtes Spiel, um zu bewirken, dass dieselbe gerade von den wissenschaftlich eompetentesten Männern, selbst wenn sie sich eingehend mit der Beurtheilung resp. Verurtheilung der Goethes che n Farbenlehre beschäftigten, ungelesen und ungewürdigt bleiben konnte.
Dies hätte Herr Frauenstädt erwägen und bedenken sollen, statt dem Verdacht Kaum zu geben, die, Schopenhauer ignorirenden Naturforscher seien von persönlichen Motiven geleitet, welche wissenschaftlichen Charakteren fern liegen müssten , als er etwas ungestüm für seinen Meister in die Schranken trat, um auch auf diesem Gebiete jene Anerkennung für ihn zu erlangen, welche ihm auf anderen Gebieten endlich — wenn auch zu spät, — geworden ist, und welche er in der That auch hier, trotz alledem und alledem wirklich verdient.
Doch möchte ich, um Missverständnissen vorzubeugen, sogleich die Bemerkung hinzufügen, dass alle diese späte Anerkennung dessen, was Schopenhauer Grosses und Wahres speciell in Bezug auf die sinnliche Erkenntniss-Theorie, sowie auf die physiologische Theorie der Farbe producirte und in seinen Werken bereits vor mehr als einem Menschenalter drucken liess, etwas Missliches hat.
Man wünscht und erreicht zwar damit, der Persönlichkeit dieses gewaltigsten Denkers seit Kant allseitig gerecht zu werden, allein diese späte Gerechtigkeit gegen seine Person, würde sofort zur historischen Ungerechtigkeit gegen den wirklichen Entwicke-lungsgang der empirischen Wissenschaft, wenn man die moderne Physiologie der Sinne desshalb eines Plagiats an Schopenhauer verdächtigen und beschuldigen wollte, weil ihre Theorie des gegenständlichen Seitens und der Farbe mit den Anschauungen jenes iso-lirten Weltweisen wunderbar übereinstimmt.
Diese Uebereinstimmung kann höchstens für die Wahrheit und Dichtigkeit der gewonnenen Anschauungen sprechen, insofern diese eben auf zwei ganz verschiedenen und von einander unabhängigen, ja entgegengesetzten Wegen gewonnen wurden. Denn, uni es ausdrücklich zu sagen, die mühsame empirische Forschung hat der philosophischen Speculation nichts entlehnt, sie hat vielmehr selbst-