﻿Ueber Schopenhauer’s Theorie der Farbe.
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ständig zur Entwickelung jener Gedanken gedrängt und geführt, welche, ganz im Sinne Kant’s, von Schopenhauer allerdings in prägnantester Weise und schon längst ausgesprochen waren.
Aber, wenn auch Schopenhauer’s Schriften niemals publicirt und bekannt geworden wären, die Physiologie der Sinne Stände heute genau auf demselben Standpunkt, auf welchem sie wirklich steht ! Diesen verdankt sie weder Schopenhauer, noch der Philosophie überhaupt, sondern einzig und allein sich seihst, d. h. der exacten empirischen Erforschung der Natur.
Schopenhauer geht, im Gegensätze zu allen jemals entwickelten Farben-Theorien, von dem Grundsätze aus : »dass Helle. Finsterniss und Farbe, im engsten Sinne genommen, Zustände. Modifieationen des Auges sind, welche unmittelbar blos empfunden werden« und fängt damit an, die Farbe als physiologische Erscheinung zu untersuchen.
Diesen Weg der Betrachtung, der vom beobachteten Gegenstand auf den Beobachter selbst, vom Objeetiven zum Subjectiven zurückgeht, behufs der Erforschung des Wesens der Farbe zuerst und mit vollem Bewusstsein seiner Neuheit und Tragweite, erfolgreich eingeschlagen zu haben, sichert dem Philosophen Schopenhauer einen hervorragenden Ehrenplatz in der Geschichte der Farbenlehre.
Er selbst hebt es mit Recht hervor S. 40’, dass sich dieser Weg der Betrachtung überhaupt »durch ein Paar der glänzendsten Beispiele in der Geschichte der Wissenschaften empfehlen und als der richtige beurkunden liesse : denn
»Xon aliter, si parva licet componere maynis« hat Kopernicus an die Stelle der Bewegung des ganzen Firmaments, die der Erde, und der grosse Kant an die Stelle der objectiv erkannten und in der Ontologie aufgestellten, absoluten Beschaffenheiten aller Dinge, die Erkenntnissformen des Subjects gesetzt. FvwtU aew-ov stand auf dem Tempel zu Delphi«.
Nur darin irrt Schopenhauer gewaltig, wenn er glaubt, man müsse, solle und könne nur diesen Weg zuerst und ganz ausschliesslich einschlagen, indem er S. 21 sagt:
»Denn um regelrecht und überlegt zu Werke zu gehen muss man, ehe man zu einer gegebenen Wirkung die Ursache zu entdecken unternimmt, vorher diese Wirkung kennen lernen, weil man allein aus ihr Data zur Auffindung der Ursache schöpfen kann und nur sie die