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lieber Schopenhauer's Tlieorie der Farbe.
»Die Thätigkeit der Retina, gleichviel oh auf ihrer ganzen Fläche oder einem Theile derselben, kann, indem sie. zur Hervorbringung der Farbe, sich qualitativ tlieilt. noch einen ungetheilten Rest zu-
Modus, aber andererQualit ä t verknüpft, als der Zustand der specifischen Erregung, oder die Thätigkeit derselben.
Die posit ive Empfindungsqualität, welche bei Abwesenheit des specifischen Erregungszustandes im Auge zum Bewusstsein kommt, nennen wir Dunkelheit oder Schwarz. Dunkelheit oder Schwarz ist wohl zu unterscheiden von einfachem Mangel der Empfindungsfähigkeit für Licht und Farbe, was auch Helmholtz zugiebt. (Vgl. Physiol. Optik. S. 577.)
Ich erinnere noch daran, dass man das sogenannte Lichtchaos oder Eigenlicht der Retina, welches das Sehfeld in Folge innerer Reize selbst bei vollständiger Finsterniss erfüllt, sehr deutlich vom Schwarz des Gründes unterst-hei de t, auf dem es erscheint.
Bei keinem der anderen Sinne ist der sog. Ruhezustand der specifischen Ner-vensubstanz verknüpft mit irgend einer positiven Empfindung von gleichem Modus, aber anderer Qualität, wie der Erregungszustand derselben. Es ist dies eine Eigenthümlichkeit, welche dem höchsten unserer Sinne ausschliesslich zukommt.
Selbst die Stille, die der Abwesenheit aller Erregung im akustischen Nervensystem entspricht, macht sich niemals als eine positive, mit irgend einer Schallqualität auch nur entfernt vergleichbare Empfindung geltend, sondern immer nur als Negation aller Gehörsempfindung; doch haben wir wenigstens noch ein Wort für dieselbe, während für den Ruhezustand der specifischen NerveuSysteme des Geruchs — Geschmacks — und Tastsinnes auch bezeichnende positive Worte fehlen.
Nach dieser Auseinandersetzung erscheint es mir einleuchtend, dass jede Gesichts-Empfindung, insofern sie nicht dem Maximum der Erregung der ganzen und vollen Thätigkeit der Sehsinnsubstanz intensivstes, reinstes Weiss entspricht, — einerlei ob der active Bruchtheil der Thätigkeit , wie sich Schopenhauer ausdriicken würde, ein qualitativer oder ein blos quantitativer ist — oder, wie wir sagen, durch eine theilweise, gleichmässig o de r un-gleichmässig starke, gleichzeitige Erregung jeder einzelnen der drei Fasergattungen hervorgerufen wird, —• nothwendig auch einen gewissen Grad von Dunkelheit haben muss, weil das Complement, welches den activen Bruchtheil zur vollen und ganzen Thätigkeit der Retina ergänzen würde, unerregt geblieben ist und es thatsächlieh eine ausschliessliche Eigenthümlichkeit der Sehsinnsubstanz ist, dass auch ihr sog. Ruhestand als positive Empfindungsqualität zum Bewusstsein kommt. In dieser ganzen Auffassung liegt nicht etwa ein Zurückgehen auf die Aristotelische A orstellung, dass die Farbe durch eine Mischung von Schwarz und Weis» entstehe, sondern es liegt in ihr nur eine einfache Erklärung, warum überhaupt in jeder Gesichtsempfindung, welche nicht reinstes und intensivstes Weiss ist, ein gewisser Grad von Dunkelheit wahrgenommen wird; und warum namentlich in jeder Farbe, als solcher, ganz abgesehen von ihrer zufälligen quantitativen Abstufung, stets noch ein ganz bestimmtes Quantum von wesentlicher Dunkelheit enthalten sein müsse. — Vgl. die folgende Anmerkung.