812 	Ueber Schopenhauer's Theorie der Farbe.

Hlften der vollen Thtigkeit der Retina, sind zus a in me n gen o m -
men dieser gleich, d. h. Weiss. SCHOPENHAUER nennt daher
und in diesem Sinne jede das Complement der anderen.
	Die SCHOPENHAUER eigenthumliehe Erklrung der Farbe ist also
im Wesentlichen folgende
	Die Farbe ist die qualitativ getheilte Thtigkeit
der Retina. Die Verschiedenheit der Farben ist das Re-
sultat der Verschiedenheit der qualitativen Hlften, in
welche die Thtigkeit auseinandergehen kann, und
ihres Verhltnisses zu einander (5. 32' 1.
	Die wahre Farbentheorie hat es demnach stets mit Far b en -
P aaren zu thnn (5. 34). Denn die Farbe erscheint immer als Du-
alitt, da sie die qualitative Bipartition der Thtigkeit der Retina ist.
	Chromatologiseh darf man daher gar nicht von einzelnen Farben
reden, sondern nur von Farbenpaaren, deren jedes die ganze in zwei
Hlften zerfallene Thtigkeit der Retina enthlt.
	))Die Theilnngspnnkte sind unzhlig, und als durch ussere Ur-
sachen bestimmt, insofern fur das Auge zufllig.
	Sobald aber die eine Hlfte gegeben ist, folgt die andere, als ihr
Complement. nothwendig 2', (S. $5

	1 Wer vorinchte hier die evidente und berraschende Uebereinstimmung der
SduopENHAuEn'schen und der modernen Farbentheorie zu verkennen?! Mssen
wir nicht heute gen,-iii dieselbe Antwort geben, welche ScHorExilAumt schon
15111 formulirt hat, wenn wir g a n z all geniei n das 'Wesen der Farbe im 
Gegen-
satze zu 'Weiss und Schwarz, physiologisch definiren sollen? - Freilich
knnen wir auch hier wieder, vom hheren Standpunkt der YouxG-HELMH0LTz'-
sehen Theorie, einen Schritt weiter gehen, und erklren und anschaulich 
machen,
wie bei der qualitativen Theilung der Thtigkeit des Auges, weiche zum
Unterschied und im Gegensatz der bios quantitativen aufgestellt wurde, den-
noch von gleichen und ungleichen Hlften, also auch von einem quantitativen
Verhltniss, die Rede sein kann, indem sich ja die dreierlei Fasergattungen 
mit
bestimmten verschiedenen Erregungsquantitten an der Zusammensetzung
der einzelnen Farbenempfindungeu betheiligen. Unsere Erklrung der Comple-
mentiir-Farbeu ist mit der SenoPENnAuzit's identisch!
	2 Alle diese Stze kann man mit gleicher Consequeuz aus der 
SCHOPENHAUER'-scheu, wie aus unserer modernen Farbentheorie folgern. Dagegen 
hat es fr uns
keinen Sinn - (ist aber auch gar keine nothwendige Consequenz aus Seuopzx-
HAUERs Theorie, sondern eine vllig willkrliche und unbegrndete An-
nahnie, welche nur seine schiefe goethesireude Grundansicht von der exact en
Methode der physikalischen Forschung charakterisirt) - wenn er, die volle Th-
tigkeit der Retina = 1 setzend, das folgende Schema zusatumenconstruirt:
Schwarz. Violett,			Blau,	Grn, Roth,	Orange, Gelb,	Weiss
	0	1/4	1 i3	1/2	2/3 3/4 	1.
