	Ueber Schopenhauer's Theorie der Farbe.	805

	Vollends zu entschuldigen ist aber der Physiker, dass er ein sol-
ches Buch sofort zuschlgt und ungelesen fr immer aus der Hand
legt, wenn er beim flchtigen Durchblttern eine der beraus zahl-
reichen Stellen findet, wie etwa die folgende (1. c. 5. 88): Uebrigens
hat man sieh nicht blos vor der Theorie dieser modernen NEWTON'-
sehen Chromatologen zu hten, sondern wird wohlthun, auch bei
den
Thatsacheu und Experimenten zwei Mal zuzusehen.
	Da sind z. B. die FRAUNHOFER'schen Linien, von denen so viel
Wesens gemacht worden ist und angenommen wird, sie steckten im
Lichte selbst, oder wren die Zwischenrume der gesonderten, usserst
zahlreichen, eigentlich homogenen Lichter, wren daher auch anders
beschaffen, je nachdem es Licht der Sonne, der Venus, des Sirius, des
Blitzes oder einer Lampe sei. Ich habe mit vortrefflichen Instrumenten
wiederholte Versuche ganz nach POUILLET'S Anweisung gemacht, ohne
sie je zu erhalten: so dass ich es aufgegeben hatte, als mir zufllig
die deutsche Bearbeitung des POUILLET von J. MLLER in die Hnde
fiel. Dieser ehrliche Deutsche sagt aus, was POUILLET weislich ver-
schweigt, nmlich , dass die Linien nicht erscheinen, wenn nicht eine
zweite Spalte unmittelbar vor dem Prisma angebracht wird. Dies hat
mich in der Meinung, welche ich schon vorher hegte, besttigt, dass
nmlich die alleinige Ursache dieser Linien die Rnder der Spalte
sind: ich wnsche daher, dass Jemand die Weitlufigkeit nicht scheuen
mge, ein Mal bogenfrmige oder geschlugelte, oder fein gezahnte
Spalten verfertigen zu lassen, wo dann hchstwahrscheinlich die
FRAUNHOFErschen Linien, zum Skandal der gelehrten Welt, ihren
wahren Ursprung durch ihre Gestalt verrathen werden, - wie ein im
Ehebruch gezeugtes Kind, durch die Aehnlichkeit, seinen Vater.((
	Ja, dies ist um so wahrscheinlicher, als es ein ganz gleiches Be-
waudniss hat mit dem von POUILLET angegebenen Experiment, durch
ein kleines rundes Loch das Licht auf eine weisse Flche fallen zu
lassen, wo dann in dem sich darstellenden Lichtkreise eine Menge con-
centrischer Ringe sein sollen, die mir ebenfalls ausgeblieben sind und
von denen ebenso der ehrliche MLLER uns erffnet, dass ein zweites
Loch, vor dem ersten angebracht, dazu erfordert ist, ja hinzusetzt,
dass wenn man statt dieses Loches, eine feine Spalte anwendet, dann
statt der concentrischen Ringe parallele Streifen erscheinen. Da haben
wir ja die FRAUNHOFER'schen Linien !
	Ich kann nicht umhin, zu wnschen, dass ein Mal ein guter und un-
befangener Kopf, ganz unabhngig von der NEwToN'sehen Theorie und
den mythologischen Aetherschwingungen, die gesammten von 
den
franzsischen Optikern und dem FRAUNHOFER  hoch aufgehuften.
