	Ueber Schopenhauer's Theorie der Farbe.	811

aber, d. h. bei Finsterniss oder Schwarz, tritt TJnthtigk cit der
Retina ein') 5. 23:.
	Die Thtigkeit der Retina hat Grade, in denen das Lieht oder
Weiss mit stetigem Uebergange durch Halbschatten oder grau, der
Finsterniss oder dem Schwarz sich annhert.
Diese Grade der verminderten vollen Thtigkeit der Retina be-
zeichnen eine blos theilweise Intensitt derselben 2
	SCHOPENHAUER findet nun, indem er die Beschaffenheit und Ge-
setzmssigkeit jener subj ectiven Erscheinungen untersucht, welche
man die complcmcntrcn Nachbilder nennt, sofort, dass die volle
Thtigkeit der Retina oder Weiss, nicht nur quantitativ, sondern
auch q u alit at iv theilbar sei, und dass diese Art der Theilung alle-
mal wirklich vollzogen wird, sobald dem Auge irgend eine Far b c,
auf welchem Wege es auch sei, gegenwrtig ist S. 26:.
	Denn biete man dem Auge statt einer v eis s en, eine irgendwie
g c f r b t e Scheibe, so werde durch diese nicht mehr die volle Thtig-
keit der Retina erregt, wie durch jene.
	Die farbige Scheibe vermag eben nur einen Thcil derselben
hervorzurufen, den anderen zurcklassend ; so dass jene Thtigkcit
der Retina sich nunmehr qualitativ gctheilt hat, und in zwei
Hlften auseinander getreten ist, davon die eine sich als farbige
Scheibe darstellt, die andere dagegen zurckbleibt und nun von selbst,
auch ohne neuen Reiz, als anders gefrbtes Spectrum nachfolgt.
Beide, die farbige Scheibe und das nachfolgende, anders gefrbte
Spectrum, als die bei dieser Erscheinung getrennten qualitativen

	Das sind Stze, welche wir heute noch unterschreiben. Die Beziehung
zwischen Unthtigkeit der Retina und Finsterniss oder Schwarz ist wohl nie 
be-
zweifelt worden, und SCHOPENHAUER hat sie nicht erst aufgefunden. Dagegen ist
die Erklrung des Weissen, durch die volle Thtigkeit des Auges, in dem Sinne
nmlich, in welchem, wie man spter sehen wird, er (las Wort voll nimmt,
seiner Theorie e i gent Ii  in Ii c h. Diese Erklrung des Weissen stimmt 
aber
vollkommen mit unserer heutigen Theorie berein. Auch wir betrachten das
Weisse in demselben Sinne wie SCHOPENHAUER, als den Empfindungsaus-
druck der vollen Thtigkeit der Retina, nur knnen wir, nach unserer Hypo-
these, noch die detaillirtere und tiefere Auskunft geben, dass die volle 
Thtig-
keit der Retina in der gleichzeitigen und gleichmssigen Erregung aller drei
Fasergattungen, der roth empfindenden, der grn empfindenden und der violett
blau?;' empfindenden, bestehe.
	2 Auch die YOUNG-HELMH0LTZ'sclle Theorie erklrt weiss, grau, schwarz als
blos quantitative oder intensive Abstufungen, resp. Verminderungen jener
vollen Thtigkeit der Retina, weiche die Empfindung weiss bewirkt, und in
der gleichzeitigen und gleichgradigen Erregung aller drei Fasergattungen
besteht.
