﻿Nachweis echter hypnotischer Erscheinungen bei Thieren.	S39
sagen kannte, ohne jemals Gelegenheit gehabt zu haben, selbst Zeuge derselben zu sein, und beschloss daher, mich mit diesem wunderlichen Gegenstände zu beschäftigen. Ich fand nun sogleich, dass es ganz wahr und richtig ist, was man so oft erzählen und von Augenzeugen versichern hören kann, dass ganz wilde scheue Hühner, die man eben erst mit Mühe eingefangen und festgehalten habe, alsbald ganz frei gelassen werden könnten, nachdem man auf dem Fussboden oder der Tischplatte, wo sie in oft ganz unbequemer Bauch- oder .Seitenlage einige Zeit niedergehalten worden waren, einen geraden Kreidestrich in der Verlängerung des Schnabels oder in querer Richtung von jedem Auge aus hingemalt hätte, — ohne dass sie den geringsten Versuch machten, sich zu bewegen oder gar zu entfliehen !
Ich gestehe, dass ich von sprachlosem Staunen ergriffen war, als ich diesen interessanten Versuch das erste Mal, und zwar gleich mit dem eclatantesten Erfolge anstellte, denn das Huhn blieb nicht nur minutenlang, heftig athmend, sonst aber völlig regungslos in seiner unbequemen und gezwungenen Stellung liegen, sondern machte auch nicht den geringsten Versuch zu entfliehen, als ich es wiederholt, obschon nicht allzu gewaltsam aufzuscheuchen suchte ! Nach einiger Zeit kam es von selbst zu sich und entfloh.
Es war klar, das Huhn hatte unter den anscheinend so sinnlosen und gleichgültigen Veranstaltungen des nur kurze Zeit in Anspruch nehmenden Bändigens und Niederhaltens und des Kreidestrichziehens die volle normale Functionsthätigkeit seines Nervensystems verloren, und war thatsächlieh in einen für längere oder kürzere Zeit andauernden eigenthümlichen Zustand von Benommenheit versetzt worden, der sich durch eine mehr oder weniger vollständige Suspension seiner Intelligenz oder seines Willens eharakterisirte !
Es galt nun, den ursächlichen Zusammenhang dieser überraschenden Erscheinungen zu ermitteln, um nicht bei einer »ungenau beobachteten« Thatsache stehen zu bleiben, wie der alte Athanasius Kikchkr, der bekannte Polyhistor und Jesuit aus Fulda, welcher diese mysteriöse Geschichte bereits in seiner 1046 erschienenen »Ars magna lucis et umbrae«, Lib. II, S. 154 erwähnt und aus der Wirkung des Kreide-striehes auf die Einbildungskraft des Huhns erklärt.
Kircher stellte nämlich den Versuch, welchen er a. a. 0. als »experiinentum mirabile« beschreibt und sehr charakteristisch durch einen naiv - kräftigen Holzschnitt illustrirt, folgendermassen an. Er schnürte zuerst die Füsse des Huhnes vermittelst eines schmalen Bandes zusammen, und legte das Thier so gefesselt auf den Boden, wo es