	Nachweis echter hypnotischer Erscheinungen bei Thieren.	847

des Thieres an, dass es perplex und aufgeregt wird - und dann
beisst das Gehirn gewhnlich nicht an.
	Ich habe aber Tauben, denen ich z. B. ein Zndhlzchen quer
ber die Schnabelwurzel geklebt hatte, nachdem sie lngere Zeit in
der Bauch-, Seiten- oder Rckenlage festgehalten worden waren - in
Regungslosigkeit verfallen und ganz frei gelassen - minutenlang
in derselben verharren sehen, wobei sie die Augen entweder ganz offen
hatten und offen behielten, oder zeitweilig - wie schlaftrunken - auf
und zu machten.
	Nachdem ich die so eben mitgetheilten Thatsachen bei den Tau-
ben entdeckt 'hatte, war mir sofort zweierlei klar; erstens, dass der
Kreidestrich im KIrcher'schen Experiment bei den Hhnern allerdings
etwas - und was er zu bedeuten habe; und zweitens, dass es, wie
man zwar schon lngst vermuthet und ausgesprochen, aber noch nie-
mals genauer untersucht und erwiesen hatte, thatschlich auch bei
Thicrcu echte sog. hypnotische Erscheinungen und Zustnde giebt
- was mir von einiger Wichtigkeit zu sein scheint.
	Ad. 1. Nach den Erfahrungen an den Tauben liegt es nmlich auf
der Hand, dass der Kreidestrich ein Object ist, welches den Blick und
die Aufmerksamkeit des Huhns auf sich zieht und gefangen nimmt,
und hierdurch jedenfalls dazu beitrgt, den hypnotischen Zustand
des Thicres herbeizufhren. Kircher hatte zwar ganz richtig erkannt,
dass der Kreidestrich in seinem Experiment von Einfluss und Wirkung
ist, wenn er auch die Art dieses Einflusses geradezu kindisch deutet,
und nicht ahnt, dass der Strich selbst ganz entbehrlich ist.
	Jedes andere Object, welches den Blick und die Aufmerksamkeit
des Huhns auf sich zieht und gefangen nimmt, leistet dasselbe, wie
der Strich, ja oft noch in aufflligerer Weise, weil man nicht nthig
hat, den Kopf auf eine Unterlage niederzudrcken, auf der man zeich-
nen muss.
	Ich habe Hhner in hockender Stellung vor ein Gestell gesetzt, an
welchem ein Korkstpsel, eine Glaskugel u. dgl. in solcher Hhe be-
festigt worden war, dass dies Object gerade vor der Glabella des knapp
hcrangcschobcncn Huhns zu stehen kam. Es gengten dann oft wenige
Sceunden, das Huhn in dieser Position festzuhalten, um es in mehr
oder weniger tief hypnotischen Zustand zu versetzen und nach dem
Loslassen minutenlang ganz frei und regungslos vor dem Gestelle sitzen
bleiben zu scheu.
	Noch berraschender war es, als ich einem in hockender Stellung
niedergehaltenen Huhn ein kurzes Stuck Bindfaden, oder ein geknick-
tes Holzstbchen, wie ein Reiterlein, quer ber die Schnabelwurzel
