846	Nachweis echter hypnotischer Erscheinungen bei Tliieren.

vorgehaltenen Finger der anderen Hand, ganz frei, minutenlang starr
und regungslos, wie gebannt, sitzen oder liegen.
	Ich konnte die entfernte Hand dem Thiere wieder nhern, es mit
derselben ergreifen, ans der Bauch- oder Seitenlage auf den Rucken
wenden: - das Thier liess willenlos alles mit sieh geschehen, ohne zu
widerstreben oder einen Fluchtversuch zu machen, wenn ich nur da-
rauf achtete, ihm den Finger fortwhrend knapp vor die Glabella zu
halten und seinem Blicke darzubieten.
	Ich habe diesen hchst berraschenden Versuch wiederholt und
an einer grsseren Reihe von verschiedenen Taubenindividuen ange-
stellt. Er gelang stets, in mehr oder weniger eclatanter Weise, so-
bald ich es nur dazu gebracht hatte, den Blick und die Aufmerksam-
keit der Taube auf den vorgehaltenen Finger zu ziehen und zu fixiren
Es versteht sieh aber von selbst, dass verschiedene Taubenindividuen,
ja ein und dasselbe Individuum zu verschiedenen Zeiten und unter
verschiedenen Umstnden einen verschiedenen Grad von Geneigtheit
zeigt, sieh dem Banne durch den vorgehaltenen Finger hinzugeben: ja
sehr oft sieht man deutlich, wie das Thier, durch augenscheinlich
ngstliches Abwenden des Kopfes dem Anblick des Fingers sich hart-
nckig zu entziehen sucht, und es dauert dann oft lange und nicht
ohne dass man die Taube in der Rckenlage am Rumpf und Kopf
einige Zeit festgehalten hat, dass man endlich zum Ziele kommt.
Es ist damit offenbar. wie SCHOPENHAUER vom Einschlafen sagt:
das Gehirn muss anbeissen a
	Wie mit Sicherheit erwartet werden musste, haben mich zahlreiche
Controlversuehe gelehrt, dass eine Glaskugel, ein Korkstpsel, eine
kleine Wachskerze oder sonst ein gleiehgltiger unbelebter Gegenstand,
der, auf einem passenden Gestelle befestigt, oder der Taube auf die
Glabella festgeklebt, dein Blicke der Taube dargeboten wird, genau'
dieselben Zauberdienste thnt, wie der Finger der Mensehenhand, nur
muss man natrlich dafr sorgen, dass sieh der Blick und die Auf-
merksamkeit der Taube durch lngere Zeit auf diesen Gegenstand
fixirt - dass ihr Gehirn so zu sagen anbeisst.
	Man wird auch unter diesen Umstanden hufig finden, dass die
Taube dem am Gestelle befestigten Fixationsobject sorgfltig und
hartnckig auszuweichen sucht, und dann ist es nicht so bequem, dem
fliehenden Kopfe das Gestell nachzuschieben, als mit dem 
vorgehal-
tenen Finger zu folgen. Ist das Fixationsobject auf die Glabella der
Taube festgeklebt, so hilft ihr das Hin- und Herwenden, Heben und
Senken des Kopfes nichts, und man sieht dem sonderbaren Gebahren
