840 	Nachweis echter hypnotischer Erscheinungen bei Thieren.


sich nach lnger oder krzer andauerndem Geschrei und Umsichschla-
gen endlich beruhigte - wie, wenn es, sagt er, bei der Fruchtlosig-
keit seiner Bemhungen, an der Flucht verzweifelnd, sich der Willkr
des Siegers preisgbe.
	Darauf zog Kircher in querer Richtung von jedem Auge aus
einen geraden Kreidestrich auf den Boden hin, lste das fesselnde
Band von den Fssen, und sah nun das Huhn, welches jetzt ganz frei
und unbehindert war, regungslos liegen bleiben - selbst wenn er es
aufzuscheuchen suchte.
	Desshalb berichtet KIRCHEr, dass der Kreidestrich von dem
Thiere, in Folge der beraus lebhaften Imagination, deren sich be-
sonders die Hhner erfreuten, fr ein Band gehalten werde, vermittelsi
welches es gefesselt sei, wie vorher an den Fssen, trotzdem diese
letzteren bereits aller Bande los und ledig sind.
	Damit hat nun KIRCHEn, so genau sein Bericht auch der Wirklich-
keit entspricht, etwas berichtet, was sich gar nicht ereignet hat.
und seine sonst wahrheitsgetreuen Angaben in jene verhngnissvollc
Kategorie der ungenau beobachteten Thatsachen! herabgesetzt,
welche eine so grosse Rolle in der Geschichte des menschlichen Irr-
thums spielt.
	Wir haben ja bereits gesehen, dass man das Huhn gar nicht erst
mit Band zu fesseln, sondern blos mit Hnden zu halten und niederzu-
drcken braucht, bevor und whrend man den Kreidestrich zieht. uni
es regungslos zu machen: - wie soll es aber da auf den Gedanken
kommen, (lass der Kreidestrich ein Band sei, womit es gefesselt werde.
da ihm eine Fesselung mit einem Band berhaupt gar nicht wider-
fahren ist
	Ferner knnte das Thier nicht wohl liegen bleiben, sobald der
Kreidestrich weggelscht wird - und doch zeigt, wie ich gefunden
habe, die Erfahrung, dass man den Kreidestrich vorsichtig weglschen
kann, ohne den Zauber sofort schwinden zu sehen.
	Das knnte freilich auf einer Nachwirkung beruhen, aber ich
fand, dass man den Kreidestrich berhaupt gar nicht zu ziehen
braucht, und der Versuch dennoch gelingt; es gengt dazu, das
Thier durch einige Zeit einfach festzuhalten und den Hals sammt dem
Kopfe gerade gestreckt auf die Unterlage mit sanfter Gewalt
niederzudrcken. - ohne den Kreidestrich hinzu zu zeichnen!
	Auf diese einfache Weise, und ohne allen Kreidestrich, habe ich
nicht nur Hhner, sondern auch Enten, Gnse, Truthhner und sogar
einmal einen schienen und sehr ungeberdigen Schwan in jenen eigen-
thmlichen Zustand der Stupiditt und Willenlosigkeit versetzt,
