﻿Ueber den Erfolg des Stannius’sehen Herzversuches bei, mit grossen Dosen Curare vergifteten Fröschen.
[Wiener akademische Sitzungsberichte, XLVIII. Bd. 1865.]
Ich vergiftete Frösche mit grösseren Dosen einer wässerigen Lösung von ausgezeichnet wirksamem Pfeilgift, welches ich durch die Güte des Herrn Prof. Heidenhain in Breslau erhalten hatte.
Nachdem die Thiere völlig gelähmt waren, und die stärkste Reizung der motorischen Nerven keine Spur von Muskelzuckung mehr bewirkte, und auch die Reizung der Medulla oblongata oder der frei präparirten Nervi vagi selbst den diastolischen Herzstillstand nicht mehr hervorrufen konnte, stellte ich den bekannten STANNius’schen Versuch am Herzen an und fand zu meiner Ueberraschung, dass derselbe vollkommen eben so gut am vergifteten Herzen als am normalen gelingt.
Die erste SrANXius’sche Ligatur an der Venen-Vorhofsgrenze oder ein in dieser Gegend geführter Scheerenschnitt bewirkten sofort Herzstillstand in Diastole, wie beim unvergifteten Thier — trotzdem dass der Vagus in Folge der Pfeilgiftwirkung völlig unwirksam geworden war.
Die zweite Ligatur an der Atrio-Ventricular-Grenze oder ein in diese Gegend geführter Scheerenschnitt, versetzten in gewohnter Weise die abgeschnürte oder abgeschnittene Herzkammer wieder in lebhafte Pulsationen.
Ich beschränke mich hier auf die einfache Mittheilung der neuen Thatsache, dass die erste STAXNius’sclie Ligatur selbst dann den diastolischen Herzstillstand hervorruft, wenn die Reizung des Vagus in Folge der eingetretenen Curarevergiftung völlig wirkungslos geworden ist. Die Bedeutung dieser Thatsache für die Theorie der Innervation des Herzens zu besprechen, behalte ich mir für später vor.