﻿II. Das Ohr und das Hören.
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Meine Darstellung wird — wie ich vornweg bemerken will — den handgreiflichen Beweis der überraschenden Thatsache liefern: dass die erhabensten Gedanken, die ein Redner ausspricht; dass die ergreifendsten Harmonien, die lieblichsten Melodien, durch die ein Künstler entzückt und begeistert, — im strengsten Sinne des Wortes zu bewegter Materie werden und so lange nichts weiter sind und sein können, als bis ein empfängliches Ohr und Gehirn sie in psychische Zustände wieder zurückverwandelt hat !
Schon die tägliche Erfahrung lehrt, dass alle schallerzeugenden Körper in rascher zitternder Bewegung begriffen sind, und in der Luft Stösse und Schwingungen erzeugen, welche sich nach allen Richtungen hin durch den Luftraum fortpflanzen.
Ich muss Sie hier vor allem daran erinnern, dass die kleinsten materiellen Theilchen, aus deneu wir uns die Luft wie jedes andere Gas zusammengesetzt denken müssen, das Bestreben haben sich von einander zu entfernen, d. h. dass sie sich gegenseitig abstossen, etwa wie die gleichnamigen Role der Magnete. Werden diese Theilchen mit Gewalt einander von allen Seiten genähert, so dass sie sich nicht ausweichen können, so setzen sie dieser Lagenveränderung oder Verdichtung einen steigenden Widerstand entgegen, den man beim Zusammendrücken der Luft in einem allseitig geschlossenen Gefäss sehr wohl fühlt.
Lässt die pressende Gewalt nach, so kehren die Theilchen — indem sie sich gegenseitig abstossen, sofort in ihre früheren Stellungen zurück—ja sie würden, wenn sie daran nicht gehindert würden durch entgegenwirkende äussere Kräfte oder Schranken, vie die Schwere oder die Wandungen von Gefässen, in denen sie sich befinden, immer weiter und weiter auseinandertreten, so dass die Verdünnung der Luftoder Gasmasse ins Unendliche wachsen müsste.
Wenn daher ein Lufttheilchen durch einen oscillirenden Schallkörper Stösse erhält, so schwingt es nicht nur selbst — den Bewegungen des stossenden Körpers folgend — hin und her, sondern versetzt auch nach und nach alle die anderen Theilchen des Luftraums in genau die gleiche hin- und hergehende Bewegung, wobei nothwendig Verdichtungen und Verdünnungen der Luftmasse entstehen müssen. Es gerätli also die Luft, wenn ein Schall in ihr entsteht und sie durcheilt, in eine eigentliümliche Bewegung, an welcher wir zweierlei zu unterscheiden haben :
1; die hin- und hergehende Bewegung oder Schwingung jedes einzelnen materiellen Lufttheilchens und