﻿II. Das Ohr und das Hören.
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Damit hatten wir also die Vorstellung von Sehallwellen, die sich in gerader Linie nach einer Richtung hin fortpflanzen. Aber die Ausbreitung des Schalles geschieht gleichzeitig nach allen Richtungen des Raumes, und so müssen Sie sich die Schallwellen in Wirklichkeit nothwendig in Gestalt von Kugelschalen denken, deren Durchmesser immer mehr und mehr wachsen, je weiter sie sich von ihrem gemeinschaftlichen Ausgangs- und Mittelpunkt — dem schallerzeugenden Körper — entfernen, etwa so wie die Wellenkreise immer grösser und grösser werden, welche wir durch einen Steinwurf auf der glatten Fläche eines Wasserspiegels erzeugen !
Die Geschwindigkeit, mit welcher die Schallwellen den Luftraum durcheilen, hat man gemessen und hei ruhiger Luft auf 340 Meter in der Secunde bestimmt, d. h. der Schall braucht eine ganze Secunde Zeit, um eine Strecke von 340 Meter, etwas über 1000 Fuss, zu durchlaufen, während das Licht in derselben Zeit viele 1000 Meilen macht; — deshalb hören wir aber auch den Knall einer in grosser Entfernung abgeschossenen Kanone viel später, als wir das Aufblitzen derselben sehen! — Je weiter die Entfernung ist, desto später hören wir die Detonation des Geschützes, und bei der bekannten Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Schalles können wir die Grösse dieser Entfernung schätzen, wenn wir die Zeit messen, welche vom Momente des Aufblitzens bis zur Wahrnehmung des Knalles vergeht. Jeder Secunde Verspätung entspricht eine Vergrösserung der Entfernung um 340 Meter, jeder halben Secunde um 170 Meter.
Ebenso wie in der Luft und in Gasen entsteht der Schall und pflanzt sicli fort in jedem anderen elastischen Medium, z. B. im Wasser und in festen Körpern — nur mit verschiedener und zwar grösserer Geschwindigkeit,
Hiermit, meine verehrten Anwesenden, haben Sie die physikalische Antwort auf unsere erste Frage: Was ist Schall überhaupt
Der Schall ist, wie Sie gesehen haben, nichts weiter, als eine eigenthümliche Bewegungder Materie !
Mit dem Worte »Schall« bezeichnet der Sprachgebrauch jedoch nicht nur; den eben erörterten g r o b m ech :mischen Bewegungsvorgang, sondern zugleich auch die besondere Empfindung, welche derselbe veranlasst, wenn er unsere Hörnerven afficirt.
Dies führt uns zu unserer zweiten Frage : AVie der Schall von uns wahrgenommen wird ?
Mit der allgemeinen Antwort: »durch das Gehör«, "ollen wir uns jedoch hier nicht begnügen, sondern genauer zusehen, was
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