﻿II. Das Ohr und das Hören.
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lieh zu bleiben, andererseits aber genügt das Mitgetheilte vollständig für unseren Zweck und entzieht sieh in seiner Einfachheit keiner Fassungskraft. Oder irre ich mich, wenn ich glaube, dass das Gesagte hinreicht, um sich eine im allgemeinen richtige Vorstellung vom Wesen des Klanges und der sogenannten Klangfarbe zu machen ?
Jeder Klang — ich wiederhole es — ist eine Mischung verschiedener gleichzeitig im Instrument entstehender Töne, und die Verschiedenheit dieser Mischung bedingt die Verschiedenheit der Klänge oder die verschiedene Klangfarbe.
Jetzt habe ich Ihnen nur noch zu erklären, wie der Schnecken-uerv mit seinem System der Coim’schen Stäbchen die Schwingung s z a h 1 oder die Tonhöhe und die S c h wingungsfo r m oder die Klangfarbe wahrzunehmen im Stande ist. Um dies in Kürze und doch in allgemein fasslicher Weise zu tliun, werde ich einen Vergleich benutzen, der von Helmholtz selbst herrührt — dem Begründer und Entdecker der Function der Schnecke und dieser ganzen Anschauung Uber die zusammengesetzte Natur der Klänge ! —
Denken Sie sich den Dämpfer eines Klaviers gehoben und lassen Sie irgend einen Klang kräftig gegen den Resonanzboden wirken, so bringen Sie eine Reihe von Saiten in Mitschwingung — nämlich alle die Saiten und n u r die Saiten, welche den einzelnen Tönen entsprechen, die in dem angegebenen Klange als Grundton und als Obertöne enthalten sind. Die Folge davon ist, dass Ihnen aus dem Klavier der fremde Klang mit seinem specifischen Charakter, d. h. mit seiner eigentkümlichen K lang f a r b e zurücktönt.
Ich will Ihnen diesen Versuch zu Gehör bringen und zwar mit laut gerufenen Vocalen. Die Vocale sind nämlich nichts anderes als verschiedene Klangfarben der menschlichen Stimme, welche dadurch entstehen, dass die Mundhöhle verschiedene Formen annimmt und durch Resonanz ganz bestimmte im Klange der Stimme enthaltene Obertöne verstärkt — andere hingegen schwächt. — Da die Klangfarbe, wie wir sahen, von der Stärke und Anzahl der zusammengemischten Obertöne des Grundtons abhängt, so muss unter diesen Umständen der Klang der menschlichen Stimme verschiedene Färbungen annehmen, und diese Färbungen sind eben, wie gesagt, die Vocale. Ich trete an das Klavier, dessen Deckel zurückgeschlagen ist, sodass der Resonanzboden mit seiner Besaitung bloss liegt; ich liebe die Dämpfung durch Niederdrücken des Pedals auf und rufe mit starker Stimme a, dann e, dann o, a und i gegen die Saiten. Das Klavier beantwortet meine Rufe nicht wie ein musikalisches Instrument, sondern