	II. Das Ohr und das Hren.	51

	Dieser quantitative Unterschied der Schallempfindungen hngt
unter brigens gleichen Umstnden nur ab von der Gros s e der
Schwingungen, d. h. von der Breite des Raumes, innerhalb welches
der schallerzeugende Krper und die einzelnen Theilchen des leitenden
Mediums hin- und heroseilliren. Denn je grsser die Excursionen der
Schwingungen sind, desto ma eh t i g er werden die Erschtterungen
des Trommelfells, der Gehrknchelchen, des Labyrinthwassers und
der betreffenden Endorgane des Hrnerven ausfallen - desto in ten -
Si v e r ist dann auch die mechanische Erregung der Nerven und dieser
entsprechend die Schallempfindung selbst.
	Je k 1 ei ne r hingegen die Schwingungsgrosse der ganzen Reihe
der schallerzeugenden Schwingungen ist, desto schwcher muss die
nervse Erregung und desto leiser die erzeugte Empfindung sein.
	Ich komme zu dem zweiten und zwar dem Hauptunter-
schiede des Schalles, es ist der zwischen Geruschen und
musikalischen Klngen.
	Gerusche und Klnge knnen in mauniehfaeh wechselnden Ver-
hltnissen sieh mischen, ja durch Zwischenstufen unmerklich ineinan-
der bergehen ihre Extreme liegen aber weit auseinander.
	Der w e s cut Ii eh e Unterschied zwischen diesen beiden Haupt-
klassen von Schallempfindungen ist darin begrndet, dass beim
Gerusch die hin- und hergehenden Bewegungen der einzelnen
Lufttheilchen ganz unregelmssig sind - und dass dem z n fo 1 g e die
miteinander abwechselnden Verdnnungen und Verdichtungen der
Luft, aus denen die fortschreitenden Schallwellen des G er  us eh e s
bestehen, nicht gleichartig und bereinstimmend zusammengesetzt
erscheinen, sondern ganz verschieden und regellos wechselnd.
	Beim reinen Klang hingegen geschehen die Schwingungen der
einzelnen Lufttheilehen ganz regelmssig, nach einer ganz bestimmten,
in immer gleicher Weise wiederkehrenden Norm, und infolge dessen
sind auch alle die aufeinander folgenden Schallwellen eines
und desselben Klanges genau einander gleich; es herrscht eine
mathematische Uebereinstimmuug der Bewegung.
	Eine solche Bewegung, welche in genau gleichen Zeitabschnitten,
in genau derselben Weise oder Norm wiederkehrt - mag diese Weise
oder Norm an sieh welche immer sein - nennt man in der Physik eine
period is eh e.
	Jene Sehallwellenbewegung also, welche den musikalischen
Klang hervorbringt, ist eine periodische -jene, welche das
Gerusch erzeugt, eine nicht periodische Bewegung.
Die verschiedenen Wirkungen dieser beiden Arten von Schall-
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