	II. Das Ohr und das Hren.	37

lieh zu bleiben, andererseits aber gengt das Mitgeth eilte voll-
stndig fr unseren Zweck und entzieht sieh in seiner Einfach-
heit keiner Fassungskraft. Oder irre ich mich, wenn ich glaube,
dass das Gesagte hinreicht, nm sieh eine im allgemeinen richtige Vor-
stellung vom Wesen des Klanges und der sogenannten Klangfarbe zu
machen?
	Jeder Klang - ich wiederhole es - ist eine Mischung ver-
schiedener gleichzeitig im Instrument entstehender Tne, und die
V ers eh i cd en h cit dieser Mischung bedingt die Verschiedenheit der
Klnge oder die verschiedene Klangfarbe.
	Jetzt habe ich Ihnen nur noch zu erklren, xvi e der Schnecken-
nerv mit seinem System der Con'n'schcn Stbehen die Schwin-
gungszahl oder die Tonhhe und die Schwingungsform oder
die Klangfarbe wahrzunehmen im Stande ist. Um dies in Krze
und doch in allgemein fasslicher Weise zu thun, werde ich einen Ver-
gleich benutzen, der von HELMHOLTZ s cl b s t herrhrt - dem Begrnder
und Entdecker der Function der Schnecke und dieser ganzen An-
schauung ber die zusammengesetzte Natur der Klnge! -
	Denken Sie sieh den Dmpfer eines Klaviers gehoben und lassen
Sie irgend einen Klang krftig gegen den Resonanzboden wirken, so
bringen Sie eine Reihe von Saiten in Mitsehxvingung - nmlich all e
die Saiten und nur die Saiten, welche den einzelnen Tnen entspre-
chen, die in dem angegebenen Klange als Grundton und als Obertne
enthalten sind. Die Folge davon ist, dass Ihnen aus dem Klavier der
fremde Klang mit seinem specifischen Charakter, d. h.
mit seiner eigenthmlichen Klang far b e zurcktnt.
	Ich will Ihnen diesen Versuch zu Gehr bringen und zwar mit
laut gerufenen Vocalen. Die Voeale sind nmlich nichts anderes als
verschiedene Klangfarben der menschlichen Stimme, welche dadurch
entstehen, dass die Mundhhle verschiedene Formen annimmt und
durch Resonanz ganz bestimmte im Klange der Stimme enthaltene
Obertne verstrkt - andere hingegen schwcht. - Da die Klang-
farbe, wie wir sahen, von der Strke und Anzahl der zusammenge-
mischten Obertne des Grundtons abhngt, so muss unter diesen Um-
stnden der Klang der menschlichen Stimme verschiedene Frbungen
annehmen, und diese Frbungen sind eben, wie gesagt, die Vocale.
Ich trete an das Klavier, dessen Deckel zurckgeschlagen ist, sodass
der Resonanzboden mit seiner Besaitung bloss liegt; ich hebe die
Dmpfung durch Niederdrucken des Pedals auf und rufe mit starker
Stimme a, dann e, dann o, u und I gegen die Saiten. Das Klavier
beantwortet meine Rufe nicht wie ein musikalisches Instrument, sondern
