46 	Populäre p1iysio1ogische Vortrage.

	Die Schallwellen pflanzen sich also bis in die Luft des Gehöror-
gans hinein fort und gelangen, wie gesagt, bis an das Trommelfell,
welches den Gang abschliesst.
	Es ist nun leicht begreiflich, dass jede einzelne Schallwelle das
Trommelfell in je eine Schwingung versetzen muss, welche der hin-
und hergehenden Bewegung der Lufttheilchen und des schallerzeugen-
den Körpers selbst entspricht.
	Elm Ihnen diesen Vorgang sofort ganz anschaulich zu machen,
brauche ich nur unsere - vorhin zur Demonstration der Schallwellen-
bewegung benutzte - Maschine (Fig. 10) neuerdings in Thätigkeit
setzen zu lassen, nachdem hinter dem letzten Lichtehen der Reihe ein
weisslaekirter Blechstreifen (T) - welcher uns das elastische Trom-
melfell bedeuten soll, während der schwarz lackirte Blechstreif vor
dem ersten Lichtehen den schwingenden Körper vorstellt, - in Ver-
bindung gebracht worden ist.
	Sie sehen, wie der weisse Blechstreif, d. h. das Trommelfell -
in dieselben Schwingungen geräth, welche der Streifen von schwarzem
Blech (d. h. der schallerzeugende Körper) ausführt und wie die Be-
wegungen der Lichterreihe - (d. Ii. die Schallwellen der Luft -
diese Uebereinstimmung der Schwingungen hervorbringen! 1)
	In Wirklichkeit bildet also die Luft sozusagen die ansicht b a r e
Brücke, auf welcher die Oscillationen der schallerzeugenden Körper
auf das Trommelfell hinübergetragen werden.
	Die Schwingungen, zu welchen das Trommelfell auf diesem Wege
gezwungen wird, macht der Hammer natürlich mit, weil sein Griff oder
Stiel in das Trommelfell eingewachsen ist.
	Hammer und Amboss hängen aber innig zusammen und bewegen
sich hebelförmig um eine gemeinschaftliche Axe.
	Die Schwingungen des Trommelfells macht also v i e der Hammer
so der Amboss mit - und, da der Steigbügel an der Spitze des langen
Fortsatzes des Ambosses sitzt - natürlich au eh der Steigbügel,
und zwar in der Art, dass er die mit seiner Fussplatte verwachsene
Membran des ovalen Fensters (vgl. Fig. 12 I. o) ein- und ausstülpt
und dadurch in dieselben Schwingungen versetzt, welche das Trom-
melfell ausführt.
	In dem Moment, wenn die Membran des ovalen Fensters durch
die Steigbllgelpiatte eingestülpt wird, wölbt sich die elastische Mein-

	1 Der Leser möge den Versuch mit dem Spaltlineal und der Steiridrucktafel 2
(Fig. 11) wiederholen; die dicken Streifen S und T entsprechen, wie der 
schwarze
und weisse Blechstreif - dem Schallkörper einerseits und dein Trommelfell
andererseits.
