﻿II.
Das Ohr und das Hören,
Vortrag', gehalten den 12. Februar 186S. Mit Tafel 2 mul 9 Holzschnitten
Hochgeehrte Versa in m 1 u n g !
Das Ohr erschliesst uns die Welt des Schalles, welche Phänomene darbietet, die — wie Sprache und Musik — in ihrer Entstellung und in ihren Wirkungen ebenso geheimnissvoll und wunderbar erscheinen.
—	als sie für das Leben und für die Kunst von unendlicher Bedeutung und Wichtigkeit sind !
Das Ohr und das Hören — ohne welches uns die ganze Welt des Schalles mit all ihren Genüssen und Anregungen in Macht und Schweigen versinken würde, zum Gegenstände einer populären physiologischen Vorlesung zu machen, bedarf wol keiner besonderen Rechtfertigung !
Welcher denkende Mensch sollte auch kein Interesse, kein Verlangen haben zu erfahren, wie es denn zugeht, dass wir überhaupt
—	und dass wir so vielerlei hören, d. h. einzusehen, worin eigentlich die Vorgänge bestehen, die dieser wunderbar mannichfaltigen Erscheinungswelt zu Grunde liegen — und welches der Mechanismus jenes Organes ist, dessen wir uns zur Wahrnehmung derselben bedienen?
Was nun die neuere Wissenschaft auf diese Fragen zu antworten hat — das eben will ich in meinem heutigen Vortrage darzustellen versuchen — und ich glaube daher mich Ihrer freundlichen Aufmerksamkeit versichert halten zu können !
Um Ihnen das volle Verständnis« unseres Gegenstandes zu er-schliessen, werde ich zunächst auseinander setzen : AVas Schall überhaupt ist, sodann wie er von uns wahrgenommen wird, und endlich welche Arerschicdenheiten er darbietet'?