﻿36	Populäre physiologische Vorträge.
im Ohre vorgeht, wenn Schallwellen dasselbe treffen — wenn wir also hören.
Zu diesem Ende will ich versuchen, Ihnen mit Hülfe dieser kolossalen schematischen Durchschnittszeichnung des Ohres (vergl. Fig. 12) und mit Hülfe vergrösserter plastischer Nachbildungen einiger seiner Tlieile eine klare Vorstellung von dem äusserst complicirten Bau des Gehörorganes zu geben.
Ich verhehle mir keineswegs, dass ich damit Ihre Aufmerksamkeit und Einbildungskraft auf eine harte Probe stelle.
Allein mich ermuthigt zu dieser gewagten, für das Verständniss des Folgenden aber unentbehrlichen Auseinandersetzung die Hoffnung ■— dass Sie der fast unheimliche Gedanke dauern d fesseln dürfte, dass die höchst verwickelten und mannichfaltigen, meist verborgenen Gebilde, welche ich möglichst anschaulich beschreiben werde, in Wirklichkeit — alle in Ihren eigenen Köpfen vorhanden sind und Sie befähigen meine Worte zu vernehmen!
Das Gehörorgan ist bekanntlich doppelt vorhanden und symmetrisch zu beiden Seiten des Kopfes a n und i n dem sogenannten Scliläfe-bein angebracht.
Es zerfällt in drei Abschnitte, welche man als äusseres, mittleres und inneres Ohr bezeichnet. ✓
Das äussere Ohr besteht aus der knorpeligen, von der allgemeinen Hautdecke überzogenen Ohrmuschel (Fig. 12 I. M) und dem äusseren Gehörgang [G], dessen Wandungen zum Theil aus Knorpel 7>'2, /P, /P), zum Theil aus Knochen gebildet werden. An seinem Ende ist der Gehörgang durch eine feine, elastische Haut verschlossen. Er endet somit blind.
Diese Haut, das sogenannte Trommelfell , bildet die Grenze und Scheidewand zwischen dem äusseren und dem mittleren Ohr, welches letztere die Paukenhöhle (P) oder Trommelhöhle genannt wird.
Diese hinter dem Trommelfell gelegene Höhle ist ein kleiner unregelmässiger Baum mit knöchernen Wänden. Er ist nicht allseitig geschlossen, sondern steht durch eine enge, nach vorn und innen herabsteigende Röhre iß) mit dem hintersten Tlieile der Nasenhöhle in Verbindung.
Diese Röhre, welche an ihrem Nasenende trichterförmig erweitert ist und eine wulstige, durch eine zusammengebogene Knorpelplatte im Durchschnitt /P) gestützte Mündung besitzt, heisst nach einem Anatomen des 16. Jahrhunderts die Eus'mcm’sche Röhre, oder — nach ihrer Gestalt, die Ohrtrompete. Solange die Mündung der Ohrtrompete, wie dies normaler Weise in der Ruhe der Fall zu sein pflegt,