40 	Populre physiologische Vortrge.

Schneckenwindungen auf 1), so sehen Sie in das Innere derselben, und
Sie bemerken, dass der Schneckenkanal nicht einfach ist, sondern
durch eine quere Scheidewand in zwei iibereinanderliegende Wendel-
treppen getheilt wird. Diese Scheidewand heisst die S piralplatt e
der Schnecke; sie beginnt, wie Sie sehen, zwischen den beiden Fen-
stern des Vorhofs und erstreckt sich spiralig gewunden bis in die letzte
Windung hinauf; sie ist zum Theil knchern, zum Theil hutig.
	Der unmittelbar von der Schneckenspindel ausgehende kncherne
Theil reicht bis ber die Hlfte in die Lichtung der Windungen hinein;
der ussere Saum zwischen hier und der gegenberliegenden Wand
besteht aus einer straffen elastischen Haut.
	Von den beiden auf diese Weise gebildeten Wendeltreppen heisst
die obere die Vorhofstreppe (Vt), die untere die Paukentreppe (PCi,
weil erstere direct in den Vorhof fhrt, letztere aber, wenn das runde
Fenster nicht mit einer Membran verschlossen wre, mit der Pauken-
hohle communieiren wurde.
	Die beiden genannten Treppen und das in ihnen enthaltene Laby-
rinthwasser hngen nur durch eine feine Oeffnung im obersten Ende
der Spiralplatte - das sogenannte Schneckenloch oder Helicotrema
mit einander zusammen im brigen sind es vollstndig von einander
getrennte Kanle.
	Das Labyrinth besteht also aus dem Vorhof mit den drei halb-
cirkelfrmigen Bogengngen und aus dem Doppelrohr der Schnecke.
	Dieser ganze Hohlraum ist, wie gesagt, mit einer Flssigkeit
dem sogenannten Labyrinthwasser erfllt.
	In dieser Flssigkeit schwimmend, sind im Vorhof zwei rundliche
glashelle hutige Blschen (1 und 1') enthalten und in jedem der drei
Bogengnge ein feiner hutiger Schlauch (b, b), der wie der kncherne
Gang und genau an derselben Stelle eine Erweiterung oder Ampulle
(a') besitzt; und wie die knchernen halbeirkelfrmigen Gnge mit
dem Vorhofsraum, so hngen die hutigen Bogengnge mit den
Vorhofsblsehen zu einem geschlossenen Ganzen zusammen. Man
nennt dieses zarte Gebilde, welches ich Ihnen auf Pappe gemalt und
ausgeschnitten hier vorzeige (vgl. Fig. 121. 1', 1, b, a'(, das hntige
Labyrinth, und die Flssigkeit, welche es einschliesst, das innere
Labyrinthwasser zum Unterschiede vom  u s s ore n, in welchem es


	1 An der in der Vorlesung verwendeten Darstellung des in Fig. 12 I. abge-
bildeten Ohrschemas hatte ich ein Versatzstck, auf welches die Oberflchen-
ansicht der Schneckenwindungen gemalt war, anbringen lassen. Dieses Versatz-
stck deckte bis dahin die Innenansicht der Schnecke.
