42 	Populre physiologische Vortrage.

	Solche steife, lange Hrchen sind beraus geeignet, durch Str-
mungen des sie umspulenden Labyrinthwassers in Bewegung zu ge-
rathen und dabei eine mechanische Reizung der zwischen ihren einge-
pflanzten Enden liegenden Nervenverstelungen zu veranlassen.
	In den Blschen des Vorhofs sind auf den umschriebenen
verdickten Stellen, wo die Nerven enden, keine oder nur kurze und
sprliche Hrchen zu finden, dagegen liegen ganz nahe der nerven-
reichen inneren Oberflche dieser Stellen zahllose spitze Krystlichen
von kohlensaurem Kalk - die sogenannten G eh  r steine h en oder
						Otolithen, welche durch eine schlei-
						mige Consistenz des Labyrinthwassers
						an diesen Stellen zusammen- und fest-
						gehalten werden (vgl. Fig. 15).
		T				Wenn dieser Krystalibrei mit der
			/			nervenreichen Oberflche in Zusam-
						menstoss gerth, so wird eine mechani-
0			V	I	sehe Reizung der Nervenenden wol
						nicht ausbleiben knnen!
							Die akustischen Endorgane der
						Nerven, welche zur Spiraiplatte
Fig. 15. Gehrsteinehen von krystallisirtem
kohlensaurem Kalk, den nervonreichen Stellen der Schnecke treten, sind noch
der Vorhofs lehen entnommen, und unterm eigenthiimlicher und wunderbarer an-
Mikroskop gesehen.
	geordnet, als die bisher betrachteten.
Es sind elastische Fden oder Stbehen, welche auf der oberen
oder Yorhofstreppenflche der hutigen Spiralplatte, ihrer ganzen Aus-
dehnung entlang - von unten bis hinauf in die letzte Windung - sehr
regelmssig dicht nebeneinander gereiht, und wie Saiten in querer
Richtung, d. h. in der Richtung der Radien der Spiralpiatte, ausge-
spannt sind.
	Man nennt sie nach ihrem Entdecker, dem Marchese A. Cou'ri
DI ST. STEFANO-BELBO, Cortische Stbchen oder das Corti-
sehe Organ.
	Auf dieser Tafel (Fig. 16) habe ich zum leichteren Verstndniss
dieses verwickelten Gegenstandes eine mglichst vereinfachte schema-
tische Durchschnittszeichnung der Spiralplatte entworfen.
	Bei K sehen Sie das ussere Ende der knchernen Spiralpiatte,
welche zahllose Kanalehen fr die Bndel des in der Schneckenspindel
aufsteigenden Schneckennerven enthlt. In der Zeichnung ist ein sol-
ches Kanalehen vom Durchschnitt gerade getroffen worden, so dass es
aussieht wie wenn die Spiraiplatte doppelt, oder in eile obere (o) und
in eine untere (u) Knochenlippe zerspalten wre. M ist der membra-
