44 	Populre physiologische Vortrge.

stimmte Anstsse in regelmssige Vibrationen gerathcn werden, und
dann die mit ihnen verbundenen Nervenenden in mechanische Erregung
versetzen mssen.
	Ich bin mit der Darstellung des feineren Baues unseres Gehr-
organs zu Ende. Es gengt, wenn Sie als Eudergebniss derselben
klar erfasst haben, dass die Hrnerveneuden auf zarten elastischen
Membranen ausgebreitet und berall mit besonderen schwingungs-
	fhigen Gebilden .		den akustischen Endorganen -verbunden
sind, welche allseitig von Flssigkeit umsplt, durch Impulse von
aussen in bestimmte Bewegungen versetzt werden knnen, die die
Nerven mechanisch erregen.
	Nun kann ich unsere zweite Frage: wie der Schall von uns
wahrgenommen wird? dadurch beantworten, dass ich Ihnen zu
zeigen versuche, w a s in den drei Abschnitten des Ohres vorgeht und
wie sich die einzelnen beschriebenen Gebilde verhalten, wenn Schall-
wellen das Ohr treffen!
	Die Ohrmuschel und der ussere Gehrgang fangen die Schall-
wellen auf, und so gelangen sic bis an das Trommelfell. Die Bedeu-
tung der Ohrmuschel als Fang- oder Schalltrichter ist beim Menschen
jedoch - trotz ihrer augenscheinlich sinnvollen und eigenthmlichcu
Modellirung nur sehr untergeordnet, denn wenn sie verloren gegangen
ist, oder durch Binden glatt an den Schdel gedrckt wird - voraus-
gesetzt, dass der Gehrgang frei bleibt, so wird das Gehr nur wenig'
beeintrchtigt. Ferner zeigt der einfachste Versuch, das.s mau sogleich
etwas besser hrt, wenn mau die Ohrmuschel aus ihrer Lage und Form
mit dem Finger nach vorn herausdrngt oder gar - wie Schwerhrige
zu thun pflegen - durch die von hinten her an die Ohrmuschel ange-
legte gekrmmte Hohlhand trichterfrmig zusammcnbicgt und ver-
grssert - ein Beweis, dass die Ohrmuschel in ihrer natrlichen Lage
und Gestalt, als Schall- und Fangtrichter, nur wenig leistet.
	Ganz anders ist dies bei vielen Thicren, z. B. den Pferden, Hun-
den, Schafen u. s. w., welche Form und Stellung ihrer Ohren durch
besondere Muskeln nach Bcdrfuiss verndern knnen. Wer htte
nicht schon Gelegenheit gehabt zu sehen, wie ein Pferd z. B. seine
Ohren spitzt und oft ganz unabhngig von einander nach verschiede-
nen Richtungen wendet, um den Schall besser aufzufangen. Achuliche
Muskeln besitzt zwar das menschliche Ohr ebenfalls - aber sic sind
so armselig entwickelt und werden so wenig gebt, dass sic die wenig-
sten Menschen willkrlich gebrauchen knnen - wodurch brigens
nichts verloren wird, da ihre Wirkung unter allen Umstnden unbe-
deutend und von keinem merklichen Einfluss auf das Horen ist.
