	II. Das Ohr and, das Hren.	31

	Meine Darstellung wird - wie ich vornweg bemerken will
den handgreiflichen Beweis der berraschenden Thatsaehe liefern:
dass die erhabensten Gedanken, die ein Redner ausspricht; dass
die ergreifendsten Harmonien, die lieblichsten Melodien, durch die
ein Knstler entzckt und begeistert, - im strengsten Sinne des
Wortes zu bewegter Materie werden und so lange nichts
weiter sind und sein knnen, als bis ein empfngliches Ohr und
Gehirn sie in psychische Zustande wieder zurckverwandelt
hat!
	Schon die tgliche Erfahrung lehrt, dass all e schallerzeugenden
Krper in rascher zitternder Bewegung begriffen sind, und in der Luft
Stsse und Schwingungen erzeugen, welche sieh nach allen Richtungen
hin durch den Luftraum fortpflanzen.
	Ich muss Sie hier vor allem daran erinnern, dass die kleinsten
materiellen Theilchen, aus denen wir uns die Luft wie jedes andere
Gas zusammengesetzt denken mssen, das Bestreben haben sieh von
einander zu entfernen, d. h. dass sie sich gegenseitig abstossen, etwa
wie die gleichnamigen Pole der Magnete. Werden diese Theilchen
mit Gewalt einander von allen Seiten genhert, so dass sie sich nicht
ausweichen knnen, so setzen sie dieser Lagenverndernng oder Ver-
dichtung einen steigenden Widerstand entgegen, den man beim Zu-
sammendrcken der Luft in einem allseitig geschlossenen Gefss sehr
wohl fhlt.
	Lsst die pressende Gewalt nach, so kehren die Theilchen
indem sie sieh gegenseitig abstossen, sofort in ihre frheren Stellungen
zurck -ja sie wrden, wenn sie daran nicht gehindert wrden durch
entgegenwirkende ussere Krfte oder Schranken, wie die Schwere
oder die Wandungen von Gefssen, in denen sie sich befinden, immer
weiter und weiter anseinandertreten, so dass die Verdnnung der Luft-
oder Gasmasse ins Unendliche wachsen msste.
	Wenn daher ein Lufttheilchen durch einen oseillirenden Schall-
krper Stsse erhlt, so schwingt es nicht nur selbst - den Bewe-
gungen des stossenden Krpers folgend - hin und her, sondern ver-
setzt auch nach und nach alle die anderen Theilchen des Luftraums in
genau die gleiche hin- und hergehende Bewegung, wobei nothwendig
Verdichtungen und Verdnnungen der Luftmasse entstehen mssen.
Es gerth also die Luft, wenn ein Schall in ihr entsteht und sie durch-
eilt, in eine eigenthmliehe Bewegung, an welcher wir z w ei erl ei zu
unterscheiden haben:
	1) die hin- und hergehende Bewegung oder Schwingung jedes
einzelnen materiellen Lnfttheilchens und
