48 	Populre physiologische Vortrge.

Spannungsunter-schiede verhindert. Bei anderen ist sie wieder so eng,
dass sie bei der geringsten Schwellung der Schleimhaut ganz unweg-
sam wird. Die stets verhltnissmssig geringe Weite des Ohrtrom-
petenkanals ist, beilufig bemerkt, der Grund, warum man so hufig
bei heftigem Schnupfen, wo die Schleimhute schwellen, schlecht hrt.
	Hierdurch wird Ihnen die Bedeutung und der Nutzen jener sehr
sonderbaren Communication zwischen der Pauken- und Nasenhhle
gewiss verstndlich geworden sein.
	Von den Umstnden aber, unter welchen diese Art vorbergehen-
der Schwerhrigkeit entsteht, will ich z w ei anfhren, weil sie ein
besonderes Interesse darbieten drften.
Lsst man sieh nmlich in einer Taucherglocke in die Tiefe des
Wassers hinab, - oder steigt man in einem Luftballon rasch in be-
trchtlich dnnere Luftschichten empor, so tritt jene Schwerhrigkeit
sehr deutlich ein - in der Tauehergloeke, weil die Luft, in der
man athmet, stark comprimirt ist, whrend die Paukenhhlenluft nur
die Spannung einer Atmosphre hat das Trommelfell daher zu stark
eingestlpt wird; - im Luftballon, weil die Luft, in die man
emporgekommen, dnn ist im Vergleiche zu jener, die man von der
Erdoberflche dem Grunde der Atmosphre - in seiner Paukenhhle
mit hinaufgenommen hat - das Trommelfell also dauernd Ii era n s -
gestlpt wird.
	Ich kann Ihnen diese Thatsachen aus eigener Erfahrung besttigen,
denn ich habe mich im Jahre 1850 im polytechnisehen Institut in Lon-
don mit drei anderen Herren in einer Taucherglocke in die Tiefe eines
brunnenartigen Bassins hinabgelassen - und bin im vorigen Herbst
in Paris, in Gesellschaft von 14 anderen Personen mit einem sogenann-
ten Ballon eaptif - einem an einem langen Seil befestigten kolos-
salen Luftballon, der erst gegen das Ende der Ausstellungszeit fertig
geworden war - an 300 Meter hoch in die Luft geflogen - also weit
hher als unser Jenenser Hausberg.
	Weder die unheimliche gedrckte Situation in der grnlich dm-
merigen Taucherglocke - noch die wahrhaft entzckende Empfindung
bei der Luftfahrt, und die ber alle Beschreibung herrliche Aussicht
aus dem Ballon auf das vom schnsten Abendgold bergossene Paris
mit seinen zahllosen punktfrmigen Mensehlein und zwerghaft zu-
sammengeschrumpften Bauten - seinem Hotel des Invalides, seinem
PanthOon, seinem Are dc l'Etoile . . . tief unter meinen Fssen -
haben mich an der physiologischen Beobachtung ber die unter diesen
Umstnden eintretende Schwerhrigkeit und deren sofortige Vertreibung
durch Sehlingbewegungen verhindert.
