52 	Populre physiologische Vortrge.

wellenbewegung auf das Ohr scheinen sieh aber einfach daraus zu
erklren, dass periodische Schallwellen andere der Endorgane
des Hrnerven in Mitsehwingungen versetzen und demgemss auch
a n der e Nervenfasern erregen - als nicht periodische.
	In dieser Beziehung ist es von Wichtigkeit sieh zu erinnern, wie
verschieden die akustischen Endorgane der Nerven - je nach ihrer
Form, Consistenz, Elastieitt und Beweglichkeit sind.
	Wie man mit Grund vermuthet, knnen nmlich die saitenartig
ausgespannten und abgestimmten CORTI'schen Stbehen auf der ela-
stischen Spiralplatte n n r durch periodische Schwingungen, di e mit
i h ne n in Einklang sind, in anhaltende, krftige Mit schwingungen
versetzt werden; whrend der zhe Krystallbrei der Hrsteinehen in
den Vorhofsekehen und die feinen Hrchen in den Ampullen, durch
einzelne Stsse und unregelmssige, nicht periodische Erschtte-
rungen in ausgiebige, regellose Bewegungen gerathen.
	Und so sehen Sie denn, dass durch die Eigenthmliehkeit ihrer
Endorgane die Nervenausbreitungen in den Vorhofsckehen und den
Ampullen zur Wahrnehmung der Gerusche - die Schnecken-
nerven mit ihren CORTI'schen Stbehen aber zur Wahrnehmung der
musikalischen K 1  u g e geschickt erscheinen.
	Die Erregung der Vorhofsnerveu gibt Ge r  us eh empfiuduugeu,
die der Schneckennerven aber Ton- und Klangempflnduugen.
Auf die Analyse der unendlich manuichfaltigeu Gerusche kann
ich mich nicht weiter einlassen; ich bemerke nur, dass sie meist ver-
schiedene, mehr oder weniger hervorstechende Klangelemente bei-
gemischt enthalten; wie umgekehrt fast alle Klnge mehr oder weniger
durch Gerusche verunreinigt sind.
	Was aber die weiteren Verschiedenheiten der reinen musika-
lischen Klnge angeht, so habe ich Ihnen noch zu erklren, wo-
durch einerseits die musikalische Ton h  h e derselben, andererseits
ihre sogenannte Klangfarbe oder ihr Timbre bedingt wird, und
wie der Schneckennerv mit seinen Conn'seheu Stbeheu diese beiden
Qualitten wahrzunehmen im Stande ist.
	Die musikalische H  h e und Ti e fe der Tonempfindungen ist be-
dingt durch die Anzahl der Schwingungen, welche der tonende
Krper in einer Secunde macht.
	Je grsser die Anzahl der Schwingungen in einer Seeunde ist,
desto hher - je kleiner, desto tiefer ist der Ton. Von dieser funda-
mentalen Thatsaehe kann ich Sie vermittelst der sogenannten SEE-
nEeK'sehen Sirene berzeugen. Dies ist ein Instrument, in welchem
Tne, d. h. periodische Schallwellen, nur dadurch entstehen, dass ein
