	TI. Das Ohr und das Hören.	39

den, und steht horizontal nach innen. Ein winziges Knochenplättchen,
welches sich zwischen die Gelenkflachen der Verbindung zwischen
Steigbügel und Ambossfortsatz einschiebt, beschreibt man wol auch
als viertes Gehörknöchelchen.
	An unserem Schema (Fig. 12 I.) sehen Sie die Gehörknöchelchen
als Brücke zwischen dem Trommelfell (T) und der Membran des ovalen
Fensters (o), mit welcher die Fussplatte des Steigbügels (Fig. 13 S, u)
verwachsen ist, in ihrer natürlichen Anordnung ausgespannt. Der
Körper des Amboss wird bei dieser Ansicht fast ganz durch den Kopf
des Hammers verdeckt, dagegen sieht man deutlich seinen langen
Fortsatz, welcher den Steigbügel trägt. Das schwarze Pünktchen am
Halse des Hammerkopfes gibt die Projection der Axe (Fig. 1211. x, x'),
um welche sich Hammer und Amboss gemeinschaftlich wie Hebel dre-
hen können. -
	Ich komme zur Darstellung des letzten und complicirtesten
Abschnittes des Gehörorgans, des sogenannten inneren Ohrs oder
Labyrinths, welches die Endausbreitungen des Gehörnerven
enthält.
	Dasselbe ist eine allseitig geschlossene, mit wässeriger Feuchtig-
keit gefüllte Höhle von ausserordentlich verwickelter Gestalt.
	Mit Ausnahme der beiden durch Membranen verschlossenen Fen-
ster, des ovalen und des runden, ist diese Höhle ganz und gar durch
sehr harte knöcherne Wände begrenzt, indem sie in den festesten Kno-
chen des menschlichen Körpers, den sogenannten Felsentheil des
Schläfebeins sozusagen hineingemeisselt ist.
	Der mittlere, weiteste Theil des Labyrinths heisst der Vorhof,
Vestibulum (Fig. 12 I. V); von demselben gehen drei enge gebogene
Kanäle 'ab - die sogenannten halbkreisförmigen Bogengänge (B).
(In unserem Durchschnittsschema, Fig. 12 I. konnte nur ein einziger
der drei Bogengänge gezeichnet werden, weil sie in drei verschiedenen,
senkrecht aufeinander stehenden Ebenen liegen.)
	Jeder dieser drei Bogengänge ist ein enger, gleichweiter Kanal,
	dessen beide Enden in den Vorhof münden; nur eines dieser Enden
zeigt bei allen eine kleine,	flaschenförmige Erweiterung -die soge-
nannte Amp ulle (a), deren es also auch drei gibt.
An der den Einmündungen der Bogengänge entgegengesetzten
Seite verlängert sich der Vorhof in eine allmählich sich verjüngende'
blind endigende Röhre, welche, wie ein Schneckenhaus, spiralig
um eine Spindel aufgewickelt ist und deshalb, sehr passend, die
Schnecke (S( genannt wird.
Brechen wir die Wand der aus dem Felsenbein herausgemeisselten
