	II. Das Ohr und das Hören.	47

bran des runden Fensters (v) hervor, und umgekehrt. Fehlte diese
elastisch verschlossene Gegenöffnung des runden Fensters am Laby-
rinth, so würde das in starre Wandungen eingeschlossene, incompres-
sible Labyrinthwasser die Oscillationshewegung der Steigbügeiplatte
beeinträchtigen oder ganz verhindern. Dies alles kann ich Ihnen an
unserem Ohr s eh cm a zeigen, weil ich die betreffenden Theile beweg-
lich eingerichtet habe.')
	S o wird also die Schallbewegung durch die Kette der Gehör-
knöchelchen und die Membran des ovalen Fensters auf das Labyrinth-
wasser übertragen.
	Ehe ich weiter gehe, muss ich bemerken, dass diese Uebertragung
der Bewegung nur dann leicht und vollständig stattfindet, wenn die
Theile ihre volle freie Beweglichkeit haben und besonders auch die in
der Paukenhohle eingeschlossene Luft weder dünner noch dich t e r
ist als die Atmosphäre.
	Es ist in diesen beiden Fällen leicht verständlich, dass - wegen
der stärkeren Spannung und \Torsvölbnng des Trommelfells gegen die
Seite der dünneren Luftmasse hin die freie Beweglichkeit der Theile
vermindert und somit das Hören selbst beeinträchtigt sein muss.
	Die Ohrtromp etc oder Tuba Eustachii )vgl. Fig. 12 I. B) dient
nun dazu, die Ausgleichung derartiger, das Hören wesentlich beein-
trächtigender, Druckdifferenzen zwischen der Paukenhöhlenluft und
der Atmosphäre zu ermöglichen, - indem sieh die Mündung ihres
Nasenendes öffnet und den Kanal, der die Paukenhöhle mit der Nase
verbindet, wegsam macht.
	Dies geschieht, ohne dass wir es wollen und wissen, während der
Schluckbewegungen. Machen wir daher, sobald sieh eine S c h w e r -
h ii r i g k cit infolge von Luftdruckdifferenzen einstellt, einige Schliug-
bewegungen, so verschwindet dieselbe sofort wieder, weil durch die
dabei sich öffnende Ohrtrompete L u ft entweder aus der Nase in die
Pankenhöhle, oder aus dieser in die Nase einströmt, und das Gleich-
gewicht auf beiden Seiten des Trommelfells sich herstellt.
	Bei verschiedenen Menschen ist die Ohrtrompete von sehr ver-
schiedener Weite. Bei manchen ist sie so weit, dass sie immer offen
steht und es daher niemals zu den beschriebenen Erscheinungen kommt,
weil die ungehinderte Ausgleichung das Zustandekommen etwaiger


	In dein bei der Vorlesung benutzten Ohrsehema waren das Trommelfell und
die Membranen des ovalen und des runden Fensters ans Kautschukstreifen her-
gestellt und die Gehörknöchelchen auf Pappe gemalt, ausgeschnitten und beweg-
lich aneinander befestigt worden.
