	II. Das Ohr und das Huren.	49

	E b ens o \V eni g hinderten mich aber auch diese Beobachtungen
daran, die Unbehaglichkeit der Existenz in der Taucherglocke zu
empfinden und die grossartige Pracht und Herrlichkeit der mir unver-
gesslichen Luftfahrt in vollen Zügen zu geniessen.
	Sie fragen, warum man Aehnliches nicht auch beim Befahren
jedes tiefen Bergwerkes oder beim Besteigen jedes höheren Berges
empfinde? Einfach darum nicht, weil man dab ei nicht r a s eh genug
in die Höhe und Tiefe gelangt und mittlerweile alle paar Minuten
ohne daran zu denken, einige Sehlingbewegungen macht!
	Ich kehre zur Schallbewegung im Ohre zurück. Wir hatten
sie vorhin bis ins Labyrinthwasser verfolgt, welches durch die vom
oseillirenden Steigbügel ein- und ausgestülpte Membran des ovalen
Fensters in entsprechende Erschütterungen und Strömungen versetzt
wird.
	Diese bringen dann natürlich auch das häufige Labyrinth und die
elastische Spiralpiatte der Schnecke in Bewegung, und dabei kann es
nicht fehlen, dass - je nach der Richtung, Anzahl, Kraft und Be-
schaffenheit der Impulse - endlich auch di e s e oder j en e der so ver-
schiedenen, früher beschriebenen akustischen Endorgane an den Aus-
breitungsstellen des Hörnerven in Erzitterungen oder Mitsehwingungen
gerathen und die Nervenenden drücken und zerren, d. h. sie mecha-
nisch reizen.
	Der durch diese mechanische Reizung hervorgebrachte Erregungs-
zustand der Nervensubstanz, welcher noch immer ein durch die neueren
Hülfsmittel der Untersuchung nachweisbar materieller Bewe-
g un g s v o r gang ist, pflanzt sich innerhalb der Nerveuröhrehen --
etwa wie eine telegraphische Depesche im elektrischen Leitungsdraht
- ins Gehirn hinein fort; und im C- eh i r u erst findet jene geheim-
nissvolle Transsubstantiation des p h y si kali se h e n Bewegungsvor-
ganges der Nervenerregung in den p h y s i s eh en Zustand der S eh all-
empfindung statt.
	Und so wären wir denn bei der	Schallempfindung ange-
langt.
	Sie übersehen jetzt die ganze zusammenhängende Kette von
mechanischen Bewegungsvorgängen, welche der Wahrnehmung des
Sehalles überhaupt zu Grunde liegen, - von den Schwingungen des
sehallerzeugenden Körpers an - bis zu dem durch die mechanische
Reizung gewisser Nervenenden hervorgebrachten Err e gun g 5 z u -
s tan d der akustischen Nervenmasse ira C- eh i r n, welcher schliess-
lich in etwas ganz Neues - in eine Empfindung - um-
schlägt. - -
Czermak, Schriften. IL	4
