﻿TIT. Stimme und Sprache.
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bestandtheile unseres Stimm- und Sprachorganes, müssen wir sie nun noch einzeln — hinsichtlich ihres Baues und ihrer Beweglichkeit genauer betrachten.
Der Athmungsmechanismus dient zwar zunächst nur der Erhaltung des vegetativen Lebens, indem er— ohne unser Hinzuthun, automatisch, in Bewegung gesetzt) —den Luftwechsel behufs der Regeneration des Blutes in den Lungen (durch Sauerstoffaufnahme und Kohlensäureabgabe) besorgt: — er functionirt aber — (willkürlich von uns beeinflusst) — auch als Gebläse für das Stimm- und Sprach-organ, und deshalb muss er hier näher erörtert werden.
Die Lungen, welche, wie wir sahen, die Struetur feinschwammiger elastischer Luftpolster haben, sind nebst andern Eingeweiden, wie das Herz, die grossen Blutgefässstämme, Drüsen, Fettgewebe u. s. w., hermetisch in der Brusthöhle eingeschlossen und füllen den zwischen diesen Gebilden und den Brustwandungen übrigbleibenden Raum stets vollständig aus, weil sie der atmosphärische Luftdruck, welcher auf ihren Innenflächen lastet, unter allen Umständen so weit ausdelmt, bis dass sie einerseits mit den übrigen Brusteingeweiden, andererseits mit den Brustwandungen in innigen Contact kommen und bleiben müssen, wie wenn sie daselbst ringsum angewachsen wären.
Es befindet sich eben nirgendwo in der Brusthöhle ein leerer Raum, noch kann sich ein solcher daselbst bilden, denn wenn, wie beim Einathmen, der Brustraum sich vergrössert, indem seine Wandungen. gegen deren glatte Innenflächen die Lungen angedrückt sind, zurückweichen, so vermindert sich der Widerstand an den Aussen-flächen der Lungen, und genau in dem Maasse, als dies geschieht, muss natürlich der in ihrem Innern nunmehr einseitig lastende Luftdruck ihr elastisches Gewebe auseinander treiben und mit neuen Luftmassen erfüllen.
Hierin also liegt der Grund, dass und warum bei der Einath-mung die Luft nach den Lungen hinströmt.
Die Entstehung des in entgegengesetzter Richtung fliessenden Luftstroms beim Ausathmen, wo sich der Brustraum verengt, ist aber als Folge der Zusammendrückung der gefüllten Lungen ohne weiteres klar.
Und so hätten wir denn die genauere anatomische Beschaffenheit, sowie die physiologische Thätigkeit des ersten Hauptbestandtlieils unseres Stimm- und Sprachorgans — des Blasebalgs — kennen gelernt. Wir wissen jetzt, w i e und wo dur c h der Ausathmungsluft-strom immer wieder von Neuem erzeugt wird, dessen wir uns fast ausschliesslich zur Bildung der Stimm- und Sprachlaute bedienen.
Czermak, Schriften. II.	5