	III. Stimme und Sprache.	65

bestandtheile unseres Stimm- und Spraehorganes, mssen wir sie
nun noch einzeln - hinsichtlich ihres Baues und ihrer Beweglichkeit
genauer betrachten.
	Der Athinnugsmeehanismus dient zwar zunchst nur der Erhaltung
des vegetativen Lebens, indem er - (ohne unser Hinznthun, auto -
mat is eh, in Bewegung gesetzt) - den Luftwechsel behufs der Re-
generation des Blutes in den Lungen (durch Sauerstoffaufnahme und
Kohlensureabgabe) besorgt; - er funetionirt aber - (willkr lie h
von uns beeinflusst) - auch als Geblse fr das Stimm- und Sprach-
organ, und deshalb muss er hier nher errtert werden.
	Die Lungen, welche, wie wir sahen, die Struetur feinsehwammiger
elastischer Luftpolster haben, sind nebst andern Eingeweiden, wie das
Herz, die grossen Blutgefssstmme, Drsen, Fettgewebe n. s. w.,
hermetisch in der Brusthhle eingeschlossen und fllen den zwischen
diesen Gebilden und den Brustwandungen brigbleibenden Raum stets
vollstndig aus, weil sie der atmosphrische Luftdruck, welcher auf
ihren Innenflchen lastet, unter allen Umstnden so weit ausdehnt, bis
dass sie einerseits mit den brigen Brusteingeweiden, andererseits mit
den Brustwandungen in innigen Contact kommen und bleiben mssen,
wie wenn sie daselbst ringsum angewachsen wren.
	Es befindet sich eben nirgendwo in der Brusthhle ein leerer
Raum, noch kann sich ein solcher daselbst bilden, denn wenn, wie
beim Einathmen, der Brustraum sich vergrssert, indem seine Wan-
dungen, gegen deren glatte Innenflachen die Lungen angedrckt sind,
zurckweichen, so vermindert sieh der Widerstand an den Aussen-
flchen der Lungen, und genau in dem Maasse, als dies geschieht, muss
natrlich der in ihrem Innern nunmehr eins cit i g lastende Luftdruck
ihr elastisches Gewebe auseinander treiben und mit neuen Luftmassen
erfllen.
	Hierin also liegt der Grund, das s und w a r n m bei der Einath-
mnng die Luft nach den Lungen hinstrmt.
	Die Entstehung des in entgegengesetzter Richtung fliessenden
Luftstroms beim Ansathmen, wo sich der Brustraum. verengt, ist aber
als Folge der Znsammendrcknng der gefllten Lungen ohne wei-
teres klar.
	Und so htten wir denn die genauere anatomische Beschaffenheit,
sowie die physiologische Thtigkeit des ersten Hauptbestandtheils
unseres Stimm- und Sprachorgans - des Blasebalgs - kennen
gelernt. Wir wissen jetzt, w i e und v o durch der Ansathmungslnft-
strom immer wieder von Neuem erzeugt wird, dessen wir uns fast ans-
schliessheh zur Bildung der Stimm- und Sprachlaute bedienen.
Crermak, Schriften. II.	5
