74 	Populäre physiologische Vorträge.

	So hat uns denn die Betrachtung der Kehlkopfsmtindung in den
Pharynx geführt, welcher mit seinem Doppelende - der Mund- und
Nasenhöhle, das Ansatz r ohr der Keblkopfspfeife bildet. Beschlies-
sen wir unsere anatomisch-physiologische Uebersicht mit der Betrach-
tung dieses Ansatzrohrs. - Mit der Beschreibung der starrwandigen
Nasenhöhle und der Mundtheile, wie Lippen, Zunge, Zähne und Wan-
gen, brauche ich Sie nicht weiter zu behelligen, da sie Ihnen hinrei-
chend bekannt sind; - dagegen muss ich noch, um mein heutiges
Thema zu erschöpfen, im Allg em einen hervorheben, dass das An-
satzrohr der Kehlkopfspfeife, in Folge der an ihm möglichen willkür-
lichen Bewegungen und Gestaltveränderungen, die do p p e lt e a k u -
s tische Bedeutung besitzt:
	Erstlich die Stimme, die, wie Sie sahen, ausschliesslich
in der Stimmritze entsteht, in verschiedener und eigenthümlicher
Weise, z. B. durch Resonanz, zu verändern. -
	Zweitens aber besondere, hörbare Schallphänomene von grosser
Mannigfaltigkeit s e lbs t st ä n dig zu erzeugen.
	Mit Bezug auf diese zweifache akustische Leistungsfähigkeit des
Ansatzrohrs ist Folgendes zu wissen wichtig und nothwendig:
	1) Kann vermittelst des willkürlich beweglichen Gaumensegels
entweder die Nasenhöhle oder die Mundhöhle luftdicht vom Pharynx
abgesperrt werden.
	Das erstere geschieht, wenn das Gaumensegel nach hinten und
oben gehoben und gegen die hintere Rachenwand angedrückt wird,
welche sich dabei verwulstet; das letztere hingegen, wenn sich das
Gaumensegel nach vorn und unten senkt und an den Zungengrund
innig anschmiegt.
	Bei mittlerer Stellung des Gaumensegels - oder der Gaumen-
klappe (denn diesen Namen verdient dies wichtige Gebilde) com-
municiren Mund- und Nasenhöhle gleichzeitig mit dem Pharynx.
	Dies Alles kann ich Ihnen nun an unserer grossen Durchschnitts-
zeichnung (vgl. Fig. 20 auf Taf. 3) zeigen, an welcher ich, wie Sie
sehen, die Gaumenklappe als bewegliches Versatzstück eingerichtet
habe.
	2) Ist es möglich, sowohl das Pharynxrohr als die Mundhöhle an
verschiedenen Stellen local zu erweitern oder zu verengern, ja ganz
hermetisch zu verschliessen. Bei der Nasenhöhle ist dies - abgesehen
von dem Abschluss des Nasenrachenraumes durch die Gaumenklappe
n i eh t möglich, denn sie besitzt steife, theils knöcherne, theils knor-
pelige Wandungen, und selbst die Nasenlöcher können nur unbedeu-
tend erweitert und verengert - niemals aber geschlossen werden.
