62 	Populre physiologische Vortrge.

das Niederdrcken der Tasten geffnet wurden, diese oder jene der
vielen verschiedenartigen Pfeifen anblst und zum Tnen bringt.
	In ganz analoger Weise nun spielen wir auf unserer Stimm- und
Sprachorgel.
	Wir treten zwar den Blasebalg nicht mit den Fssen, aber wir
pressen durch unsere Athemmuskeln den Brustkorb und die Lungen
zusammen, um einen Luftstrom zu erzeugen; wir ziehen zwar kein
Register mit der Hand auf und drcken keine Tasten mit dem Finger
nieder, nm diese oder jene der verschiedenartig erklingenden Pfeifen
zum Tnen zu bringen - weil wir eben keine Register und Tasten fr
Hand und Finger, und nur eine einzige Pfeife haben; - aber wir
v er wan d cl n diese einzige Pfeife in verschiedenartig erklingende
Pfeifen, indem wir durch unseren Willensimpuls auf die Nerven und
Muskeln den schallerzeugenden Vorrichtungen des Kehlkopfes und
seines Ansatzrohrs solche Stellungen und Spannungen geben, dass
Tne von verschiedener Hhe und Klangfarbe, oder Gerusche von
verschiedenem akustischen Charakter hervorgebracht werden.
Bei der Orgel stehen also die vielen Pfeifen, welche zur Erzeu-
gung der Mannichfaltigkeit der Schallphnomene nthig sind, in Re-
gister geordnet nebeneinander; bei unserem Organ werden sie
hingegen durch willkrliche Umgestaltung der einzigen vorhan-
denen Pfeife nacheinander hergestellt.
Was dort - bei der Orgel - Registerzug und Tastendruck mit
Hand und Finger leistet, das bewirkt hier der Willeisimpuls auf
Nerven und Muskeln und der formverndernde Zug dieser letzteren.
	Und so wie beim Orgelspiel ans dem getretenen Blasebalg der
Luftstrom in die Windlade, aus dieser in die einzelnen Pfeifen, deren
Klappen durch Registerzug und Tastendruck geffnet wurden, eindringt
und demgemss bestimmte verschiedene Tne erzeugt; ganz ebenso
strmt beim Sprechen und Singen ans den zusammengepressten Lungen
die in ihnen enthaltene Luft in die Trachea, aus dieser in den Kehl-
kopf und sein Ansatzrohr, deren schallerzeugende Theile durch Ner-
venreiz und Muskelzug in bestimmter Weise gestellt und gespannt
wurden, und erzeugt demgemss die gewollten verschiedenen Klnge
oder Gerausche.
	Die Analogie ist, wie Sie sehen, schlagend und vollstndig, und
Sie haben durch unseren lehrreichen Vergleich mit einem Mal eine
richtige Vorstellung von dem Mechanismus und der Spielart unseres
Stimm- und Sprachinstrumentes im A 11 g em eine n gewonnen.
	Um nun aber auch im B e son dc r en die Erzeugung der einzel-
neu Stimm- und Sprachlaute verstehen zu knnen, mssen Sie mir
