64 	Populäre physiologische Vorträge.

Gaumen, getrennt sind, von dessen hinterem Rand das Gaumensegel
oder der w ei eh e Gaumen mit dem Zäpfchen als beweglicher Vorhang
herabhängt. Mund- und Nasenhöhle öffnen sich bekanntlich ver-
mittelst besonderer Oeffnungen im Gesicht nach aussen. In der ersteren
sieht man die halbirte Zunge, in der letzteren die drei sogenannten
Nasenmuscheln.
	Auf diesem Bilde (vgl. Fig. 21 der Tafel 3) habe ich den
Pharynx, nach Entfernung der Wirbelsäule, von hinten geöffnet
dargestellt, um dessen Zusammenhang mit der Mund- und Nasen-
höhle, dann die senkrechte Nasenscheidewand, welche die Nasen-
höhle in zwei Hälften theilt, die hinteren Enden der beiden unteren
Nasenmuscheln, und endlich das Gaumensegel mit dem Zäpfchen
in seiner ganzen Ausdehnung zu zeigen. - Die Speiseröhre, vor
deren Mündung der Kehlkopfseingang zu sehen ist, wurde kurz abge-
schnitten dargestellt, um die Luftröhre sichtbar zu machen, welche
sieh in die beiden Lungenäste oder Bronchien spaltet, an denen die
Lungen, wie Früchte am Stiel, hängen. Die Hauptverzweigungen der
Bronchien in den Lungen sind deutlich zu übersehen und in der rechten
Lungenspitze sind die Verästelungen bis in ihre letzten Enden darge-
stellt, welche Gruppen von mikroskopisch kleinen Bläschen tragen
und denselben als Luftweg dienen. Nicht nur die ganze Oberfläche
einer Lunge besteht aus diesen mikroskopischen Bläschengruppen,
sondern auch im Innern füllen dieselben alle Räume zwischen den
gröberen und feineren Verästelungen der Bronchien und der Blutge-
fässe aus. Die eigentliche Lungensubstanz ist also ein feinschwam-miges, 
durch und durch lufthaltiges, äusserst elastisches Gewebe, und
jede Lunge stellt somit ein Luftkissen von grosser Ausdehnbarkeit und
sehr wechselnder Capaeität dar.
	Der Schlund ist der gemeinschaftliche Weg für die Luft, die wir
athmen, und für die Speisen und Getränke, die wir geniessen; er ge-
winnt aber noch eine höhere Bedeutung, indem er mit seinem Doppel-
ende - der Mund- und Nasenhöhle - einen integrireuden Bestandtheil
unseres Stimm- und Sprachorganes ausmacht.
Dieses besteht also:
1)	aus einem Blasebalg - dem allseitig geschlossenen und
beweglichen Brustkasten mit den Lungen,
2)	aus einer Wind lade - der Luftröhre und ihren beiden Lun-
genästen oder Bronehialverzweigungen, und
3	aus einer Pfeife mit Ansatzrohr - dem Kehlkopf mit dem
in Mund- und Nasenhöhle ausgehenden Schlund.
Orientirt über die Lage und den Zusammenhang der Haupt-
