	III. Stimme und Sprache.	69

	Auch der Schildknorpel hat statt seines, allerdings weniger sinn-
losen anatomischen Namens einen besseren physiologischen bekommen
- nämlich » Sp a n n k nor p cl«, weil in der That die Spannung der
Stimmbänder bei feststehend gedachten Stcllknorpeln von den hebel-
förmigen Bewegungen des Schildknorpels abhängt.
	Bei der Senkung desselben nach vorn wird, wie Sie sehen (vgl.
Fig. 25 sm und a in'), die Entfernung zwischen dem Mittelpunkt seiner
geknickten Innenfläche und den Stimmfortsätzen der Stellknorpel
grösser - und die zwischen diesen Anhcftnngspnnkten flxirtcn elasti-
schen Stimmbänder müssen sich nothwcndig stärker spannen und ver-
längern.
C
Fig. 26. Drei in der Ebene der Stimmbänder quer durchschnittene Kehlkopfe, 
um die drei Hauptformen
der Stimmritze zu zeigen, welche durch die verschiedene Stellung der 
Gieeobeckenknorpel
bedingt werden.
.b, b' die Gelenkfartsätze der im horizontalen Durchschnitt dreieckig 
erscheinenden Gieoobeckeuknorpel.
Sie sitzen frei beweglich auf dem oberen Rande des Grundknorpels (0) auf. a, 
a' die Stimmfortoatze, an
welche die Stimmbänder nach hinten angewachsen sind; rn der Mittelpunkt der 
geknickten Innenfläche
des Schild- oder Spannknorpels, we sich die Stimmbänder nach vorn 
befestigen. Bei A grösste Weste
der Stimmritze. Bei B die Ränder der Stimmritze in Berührung. 6 
hufeisenförmiger Durchschnitt des
.Schildknorpels; a, a' die Gelenkverbindung zwischen den unteren Römern des 
Schildknorpels und den
Seitenlheilen des Grundknorpels C. Bei A und C sind diese Theile der 
Einfachheit wegen weggelassen,
sind aber in Gedanken leicht zu ergänzen. Bei C eigeuthümliche Form der 
Stimmritze, welche entsteht,
wenn sich die Stellknorpel von einander entfernen und zugleich mit ihren 
Stimmfortoätzen a, s'
nach einwärts kehren.
	Das Umgekehrte geschieht natürlich bei Hebung des Schildknor-
pels. - So wunderbar einfach und unscheinbar ist also die Vorrichtung,
welche die Stimme eigentlich erzeugt. Zwei elastische Schleimhaut-
falten zwischen beweglichen Knorpclstücken befestigt, die sich ent-
weder berühren oder eine engere oder weitere Spalte begrenzen und in
verschiedenem Grade gespannt werden können - weiter nichts!
	Ja, muss sich der Uneingeweihte nicht mit Staunen die Frage vor-
legen: ist dies wirklich Alles? und: wie kann diese Vorrichtung
überhaupt hörbare, akustische Phänomene hervorbringen - geschweige
•denn die Fülle der Stimmeffectc, deren wir fähig sind?
	Auf die Frage, wie diese Vorrichtung überhaupt aku-
stische Phänomene hervorbringen kann, will ich sogleich
.antworten.
	Solange die Stimmritze im Vcrhältniss zur Mächtigkeit des Aus-
.athmungsluftstrolns weit genug offen steht, dass die bewegte Luft-
