	III. Stimme und Sprache.	71

	Ich stecke den Apparat auf ein Blasrohr, treibe Luft durch -
und ein nicht unangenehmer, stimmähnlicher Ton schlägt an unser Ohr..
	Könnten Sie, wie ich, aus der Nähe zusehen, so wurden Sie an
den Kautschukbändern genau denselben Vibrationsvorgang wahrneh-
men, welchen ich Ihnen soeben als d en der Stimmbildung im Kehlkopf
beschrieb.
	Aber noch mehr! - um Ihnen zu beweisen, dass der wirklichen
Stimmbildung in der That nichts weiter zu Grunde liegt, als eben
	dieser grob-mechanische Be-
	wegungsvorgang - ohne		p" -
	irgend welche Beimischung				-.
	von vitalen oder mystischen
	Einflüssen der sogenannten
			P				--; -
	Lebenskraft, so will ich jetzt					,.	-
									S-
	einen wirklichen Kehlkopf,								6
	den ich ans einem mensch-
	lichen Leichnam herausprä-
	parirt habe - zum Tönen
				a-				P3
	bringen.
		Es wird mir gelingen,
	einen Stimmton des Verstor-
					II
	benen, dem dieser Kehlkopf
	angehörte, ohne alle Zaube-				rig. 27. Künstlicher Kehlkopf.
	rei in diesem Saale wieder-		T eine Rohre yen Holz, welche der Trachea 
entspricht.
			Der Messingring U repräsentirt den Grundknorpel des
	erklingen zu machen.		Kehlkopfes ; mit seinen Seitenlheilen artienlirt der
			Messingbügel Sp, welcher wie der Spannknorpel des
		Ich stecke den Kehlkopf	Kehlkopfes hebelförmig nm die Axe a gedreht werden
			kann. Er trägt die Klemme in. St ein den stellknerpeln
	auf das Blasrohr und werde		des Kehlkopfes entsprechendes Messingstuck, das in 
die
			Klemme a ausgeht und nm die Axe b beweglich ist. Jet
	mich bemühen - während		eine röhrenförmige Kautschukmembran, welche wie die
			Kehikepfechleimhant zwischen den Punkten a und m in
	ich einen kräftigen Luftstrom		Form zweier, eine feine Spalte (Stimmritze) 
begrenzen-
			den Bänder oder Falten ausgespannt ist. p, p', p2 p°, ps
	hindurchtreibe - den Stimm-			Stahlschrauben mm Feststellen der beweglichen
Messingstucke.
bändern vermittelst einer Pin-
eette solche Stellungen und Spannungen zu geben, welche sie zur
Stimmbildung befähigen. Sie hören jetzt in der That verschiedene
sehr vernehmliche und - zum Theil auch recht wohllautende Töne,
denen Sie den Charakter der menschlichen Stimme nicht ganz ab-
sprechen werden, wenn Sie dem nicht gewöhnlichen Umstand billig
Rechnung tragen, dass sie faetiseh der Kehlkopf eines - Vers tor -
b en en gesungen hat!
	Das Gelingen dieses interessanten Wiederbelebungs- oder Aufer-
stehungsversuchs beweist aber nicht nur, dass der Stimmerzeugung
jener beschriebene, grob-mechanische Bewegungsvorgang wirklich und
