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Populäre physiologische Vorträge.
Wesen und Bildung der Stimm- und Sprachlaute.
Zweiter Vortrag,
gehalten den 3. März 1569.
(Mit 7 Holzschnitten/
H o c h g e e h r t e Anwesende!
Zunächst wollen Sie gestatten, dass ich den Inhalt meines vor acht Tagen abgehaltenen Vortrags in aller Kürze recapitulire.
Ich eröffnete meine Auseinandersetzung damit, dass ich das ganze Stimm- und Spracliorgan eingehend mit einer Orgel verglich, um durch diesen schlagenden und bis ins Detail ungezwungen durchführbaren Vergleich, den Mechanismus und die Spielart des Instruments, vermittelst welches wir singen und sprechen, im Allgemeinen verständlich zu machen.
Sodann demonstrirte ich an kolossalen bildlichen Darstellungen, welche Sie zum Tlieil auch heute wieder vor sich sehen, und plastischen Nachbildungen den Zusammenhang, den genaueren anatomischen Bau, sowie die physiologische Beweglichkeit und die akustische Bedeutung der einzelnen Bestandteile. Ich habe den beweglichen Brustkasten mit den Lungen — als den Blasbalg der Stimm- und Sprachorgel dargestellt ; die Luftröhre mit ihren beiden Lungenästen und Bronchialverzweigungen aber als die sogenannte Win dl a de, oder den stets offenen Leitungsweg für den In-und Exspirationsluftstrom. Das bewegliche Knorpelskelet des Kehlkopfes mit den elastischen Stimmbändern habe ich vor Ihren Augen aufgebaut, und den Kehlkopf selbst als die einzige an unserer Stimm-und Sprachorgel vorhandene Zungen pfeife mit zwei mcmbranösen Zungen physikalisch detinirt.
Den Vorgang der Stimmbildung erklärte und zeigte ich durch Experimente am künstlichen und todten Kehlkopf, wobei die Stimme eines Verstorbenen in diesem Saale wiedererweckt wurde, und endlich schloss ich mit der Darstellung der zweifachen akustischen Bedeutung und Leistungsfähigkeit des beweglichen Ansatz rohr s der Kehlkopfs pfeife — nämlich des in Mund- und Nasenhöhle ausgehenden