﻿III. Stimme und Sprache.
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Schlundes, als unseres eigentlichsten und wesentlichsten Articulations- oder Sprachorgans. Hierdurch eröffnete ich Ihnen einen Blick auf das Endziel unserer ganzen wissenschaftlichen Wanderung, als welches ich Ihnen die Gewinnung einer befriedigenden Einsicht in das Wesen und die Bildungsreise der einzelnen Stimm- und Sprach laute hinstellte.
Ich könnte nun sofort dieses unser heutiges Thema in Angriff nehmen, allein einen Gegenstand muss ich noch zur Sprache bringen, um Sie mit den Hilfsmitteln zum exacten Studium der Stimm- und Lautbildung — von denen ich Ihnen die lehrreichen Versuche am künstlichen und todten Kehlkopf bereits das vorige Mal vorführte — vollständig bekannt zu machen, damit Sie ein durch eigenes Urtheil begründetes Vertrauen zu den Resultaten unserer Wissenschaft gewinnen möchten !
Her Gegenstand, welchen ich meine, ist jene Methode der direc-ten Untersuchung und Besichtigung des Kehlkopfes am lebenden Menschen, zu deren endlichen Begründung und allseitigen physiologischen sowie medicinisch- chirurgischen Verwerthung ich selbst, vor mehr als einem Decennium, den ersten erfolgreichen Anstoss gegeben, und. für welche ich den seither allgemein gebräuchlichen Kamen der »Laryngoskopie« eingeführt habe.
Da der Mund und der Schlund unter einem Winkel zusammen-stossen und somit als Ganzes einen in der Gegend der Zungenwurzel geknickten röhrenförmigen Hohlraum darstellen, so ist es begreiflicher-massen unmöglich, ohne Weiteres bis an das Ende des Schlundes oder gar in den Kehlkopf, oder durch denselben hindurch, in die Luftröhre zu blicken.
Man müsste sozusagen »um die Ecke« zu sehen vermögen, um dies zu können.
Es ist aber in der That sein- leicht »um die Ecke« zu selten, jedoch nur vermittelst eines Spiegels, den man in geeigneter Stellung bis über die hindernde Ecke hinaus vorschiebt.
In Holland ist es ganz allgemein in Gebrauch, aussen vor den Fenstern der Wohnungen Spiegel — sogenannte »Spione« — in solcher Neigung und Stellung anzubringen, dass sie das Bild der Strasse zurückwerfen und somit einem im Zimmer sitzenden Beobachter erlauben, ohne dass er den Kopf zum Fenster hinausstecken müsste, von seinem bequemen Grossvaterstuhl aus zu sehen, was draussen vorgeht, oder wer etwa an der Hausthür läutet. Für unwillkommene Besuche ist dann der um die Ecke sehende, selbst aber unsichtbare Hausherr — ohne sieh zu compromittiren — nicht daheim.