﻿III. Stimme und Sprache.
S7
Die männlichen, die weiblichen und die kindlichen Stimmen fangen, wegen der Verschiedenheit der Grösse der Kehlköpfe und der damit zusammenhängenden Länge der Stimmbänder an verschiedenen Stellen der Tonleiter an und hören an verschiedenen Stellen auf.
5) Von dieser verschiedenen Begrenzung des Umfangs hängt die Stimmlage ab und auf ihr beruht die Eintlieilung der Singstimmen in Bässe, Barytone, Alte, Tenore und Soprane. Die Strecke der Tonleiter vom c bis 7 kann von allen Stimmen gesungen werden, klingt aber dennoch etwas verschieden, je nachdem sie von einem Bass, Alt oder Sopran intonirt wird.
Der ganze musikalische Umfang des menschlichen Stimmorgans beträgt mindestens fünf Octaven, indem es Bassisten gibt, die — wie einst Fischer, der Vater — Contra-F schön und kräftig singen, während Soprane bis zum dreigestrichenen /’hinaufgehen. —
O Um das Kapitel von der Stimme abzuschliessen, will ich noch über den Wohllaut der Stimme sprechen und Ihnen mittheilen, dass derselbe wesentlich einerseits von der Exactheit und Regelmässigkeit der Stimmbandschwingungen, andererseits von der Schönheit und dem Ebenmaass der räumlichen Verhältnisse der resonirenden Gebilde, — des Brustkastens und des Ansatzrohrs abhängt.
Auch die Beschaffenheit des Muskel-, des Knochen- und des Knorpelgewebes, sowie der Schleimhautauskleidung der Luftwege ist von Einfluss auf die Kraft und den Schmelz der Singstimme.
Es ist damit wie mit dem Material und dem Bau der anderen musikalischen Instrumente — z. B. der Geigen von Amati , Steiner u. s. w. im Vergleich zu fabrikmässigen Jahrmarktsgeigen.
Der musiktolle Rath Krespel aus den Serapionsbrüdern hatte gut die Geigen zu zerlegen, um das Geheimniss ihres Wohllauts zu finden ! Die Theile behielt er wohl greifbar in der Hand — das Geheimniss aber liess sich nicht fassen ; das steckte ungreifbar in dem harmonischen Aufbau der materiellen Atome zum Ganzen.
Uebrigens wird das Kennerauge — wie bei den alten Geigen, so bei den verschiedenen Stimmorganen — das bevorzugte Instrument sofort herausfinden.
Freilich gehört zur Geige noch der Künstler, der sie zu behandeln, ihr die klangvollen Töne zu entlocken versteht. Das Stimmorgan hingegen ist ein integrirender Tlieil der Individualität des Künstlers selbst und trägt das Gepräge seiner Schulung und Vorzüglichkeit an sich.
Ich habe Gelegenheit gehabt, einige hervorragende Sänger und Sängerinnen, wie den pariser Tenor Roger, den wiener Bassisten Rokitansky — ein wahres Stimmphänomen, — die weltberühmte