	Ill. Stimme und Sprache.	85

	b) Die Lnge, in der die Stimmbnder frei schwingen knnen,
wird aber dadurch bestimmt und willkrlich verndert, dass wir im
Stande sind, die Rnder der Stimmritze in verschiedener Ausdehnung
fest gegeneinander zu pressen und hierdurch grssere oder kleinere
Theile der Stimmbnder am Schwingen zu hindern. Dies geschieht,
indem sieh die Stimmfortstze der Stellknorpel entweder nur hinten
mit ihren Basen, oder in grsserer Ausdehnung, oder endlich in ihrer
ganzen Lnge bis zu den ussersten Spitzen innig miteinander be-
rhren. Eine weitere Verkrzung der Stimmritze ist dann noch mglich
durch theilweise Zusammenziehung jener Muskelfasern 1), welche
innerhalb der Stimmbnder verlaufen und bogenfrmig gegen deren
Rand ziehen.
	Dass sieh die Tonhhe mit der Spannung und der Lnge der
Stimmbnder wirklich in der angegebenen Weise ndert, ist ans physi-
kalischen Grnden a priori einleuchtend, kann aber auch sehr leicht
durch die Versuche am knstlichen und todten Kehlkopf und durch
directe laryngoskopisehe Besichtigung am lebenden Menschen nach-
gewiesen werden. Ich will Ihnen die Abhngigkeit der Tonhhe von
der Spannung und Lnge der Stimmbnder an unserem knstlichen
Kehlkopf (vgl. oben Fig. 27 5. 71) demonstriren. Ich blase den Appa-
rat an. Sie hren einen Ton von bestimmter musikalischer Hhe.
Sowie ich jetzt, ohne die Spannung der Kautschukstimmbnder zu
verndern, die Lnge, in der sie frei schwingen, verndere, steigt oder
fllt der Ton; ebenso, wie Sie deutlich wahrnehmen, wenn ich die
Bnder mehr oder weniger dehne und anspanne, die Lnge aber, in
welcher sie frei schwingen, genau constant erhalte.
	Einen interessanten Punkt muss ich,, ehe ich weiter gehe, noch
berhren. Durch strkeres Anblasen machen die Stimmbnder nmlich
nicht nur grssere Schwingungen, sondern sie werden auch strker
gespannt und schwingen rascher; bei vermehrter Exspirationsanstren-
gung muss sich also der Ton nicht nur verstrken, sondern auch er-
hhen. Deshalb bringen wir die hchsten Tne nur fortissimo her-
vor. Ja, aus demselben Grunde wre es den Sngern unmglich,
einen Ton von genau gleicher musikalischer Hhe mit an- und ab-
.sehwellender Strke zu singen, wenn sie nicht durch feine Compen-
sation der Muskelkrfte am Kehlkopf gelernt htten, die wachsende
Spannung der Stimmbnder beim Anschwellenlassen des Tones durch
entsprechende Verlngerung, die abnehmende Spannung beim Ab-



Vgl. Fig. 28 C, sin, S.73.
